Interview

"Nur gemeinsam sind wir stark"

Im Oktober und November werden die Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) neu gewählt. kompakt sprach mit Verena Chodor (22) und Sebastian Heise (26) über ihre Motivation, ihre Erfolge und Pläne für die Zukunft.

Frank Rogner

Sebastian Heise (26) und Verena Chodor Chemielaborant Sebastian Heise (26) ist JAV-Vorsitzender von Bayer am Standort Wuppertal. Verena Chodor (22), Auszubildende zur Chemielaborantin, ist Mitglied in der Bayer-JAV in Wuppertal.
28.09.2016
  • Von: Alexander Reupke
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Wann habt ihr gesagt: "Ja, ich möchte in die JAV?"

Verena: Als es in meiner Klasse und mit den Ausbildern nicht ganz rund lief, habe ich von mir aus Gespräche mit meinen Azubi-Kollegen geführt. Und mir ist bewusst geworden: Viel kann ich so nicht erreichen – über das JAV-Amt aber schon.

Sebastian: Ich ließ mich im Jahr meines Ausbildungsbeginns aufstellen. Auf den von JAVies organisierten Neuanfängerfahrten wurde mir klar, dass sie versuchen, für alle da zu sein. Und je mehr Leute wir zusammenbekommen, desto mehr können wir umsetzen – gemeinsam sind wir stark, zum Beispiel bei Aktionen für Tarifverhandlungen oder die 1.-Mai-Demo.

Was hattet ihr vorher für Erwartungen?

Verena: Man denkt sich, das ist wie ein Klassensprecheramt. Man regelt hier ein bisschen was, man redet mit den Ausbildern und bespricht sich mit dem Betriebsrat, aber es ist schon viel Arbeit. Wenn man Spaß am Diskutieren hat, sollte man es machen.

Welche Probleme beschäftigen die Auszubildenden?

Verena: Wenn junge Menschen von weiter weg hierherziehen, bleiben die Familie und der alte Freundeskreis zurück. Die Azubis kapseln sich zum Teil ab, bleiben allein in ihrer Wohnung, haben nur während der Ausbildungszeit mit irgendjemandem was zu tun.

Wie reagiert ihr darauf?

Sebastian: Wir haben ein Patenprojekt gestartet und bringen die Schützlinge aus dem ersten Lehrjahr mit Paten aus dem zweiten oder dritten Lehrjahr zusammen. Die verbringen dann ihre Freizeit zusammen.

Frank Rogner

Sebastian Heise (Mitte) und Verena Chodor von der Bayer-JAV in Wuppertal sprechen mit kompakt-Mitarbeiter Alexander Reupke. Sebastian Heise (Mitte) und Verena Chodor von der Bayer-JAV in Wuppertal sprechen mit kompakt-Mitarbeiter Alexander Reupke.

Einer eurer Erfolge ist der Fahrtkostenzuschuss. Worin bestand das Problem?

Sebastian: Es gibt eine Absprache mit dem Arbeitgeber, dass die Biolaboranten, die in der Ausbildung einen Pflichtaufenthalt in einem 40 Kilometer entfernten Werk haben, Kilometergeld bekommen. Die Azubis mussten die Fahrtkosten von 300 bis 350 Euro vorher selber tragen. Nun bekommen sie 30 Cent pro Kilometer, damit die Kosten gedeckt werden.

Was habt ihr noch durchgesetzt?

Sebastian: Die Erschwerniszulage ist die Entschädigung für Chemikanten, wenn sie im Reinraumanzug arbeiten müssen. Die gab es vorher nur für ausgelernte Chemikanten. Jetzt bekommen die Azubis 20 Euro mehr im Monat. Und es gab
lange keine Gewinnbeteiligung für Azubis. Wir haben zusammen mit dem Betriebsrat durchgesetzt, dass sie 450 Euro pro Jahr bekommen.

Verena: Auf der JA-Versammlung war das Gesundheitsmanagement von Bayer da und viele Azubis haben gesagt: »Wir können die ganzen Angebote gar nicht während der Arbeitszeit wahrnehmen.« Dadurch sind für das neue erste Lehrjahr Sportaktivitäten entstanden, die nach der Arbeit stattfinden: Beachvolleyball, Klettergarten, Tennis oder Minigolfen.

Gibt es dafür auch Lob von den Azubis?

Verena: Man merkt vor allem im ersten Lehrjahr, dass die Begeisterung sehr groß ist. Das ist neu für die. Betriebsrat, JAV, was ist das überhaupt? Auf der Neuanfängerfahrt sagen viele: »Wow, das will ich machen; ich möchte zur IG BCE, ich möchte in die JAV.« Das ist schön zu sehen.

Sebastian, wie sieht es bei dir nach der JAV-Zeit aus? Möchtest du in den Betriebsrat?

Sebastian: Ja, ich lasse mich auf jeden Fall aufstellen. Ich und drei andere junge Leute wollen kandidieren und frischen Wind mitbringen. Wir wollen uns für die Jugend einsetzen und mit der JAV zusammenarbeiten.

Verena, du kandidierst wieder für die JAV. Was hast du dir vorgenommen?

Verena: Ich finde das Patenprojekt sehr wichtig, damit die Azubis einen größeren Zusammenhalt haben. Ich habe am Anfang gemerkt, man hat wenig Kontakt zu den Lehrjahren über uns oder unter einem. Die Älteren können den Jüngeren ihre Erfahrungen mitgeben und werden besser in das Berufsleben eingeführt.

Sebastian: Die Wahlbeteiligung ist wichtig: Je mehr sich beteiligen, desto stärker stehen wir dem Arbeitgeber gegenüber.

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