1. Generationenkongress der IG BCE

Miteinander Zukunft machen

Muss sich die Gewerkschaft wandeln? In gewisser Weise ja, findet die stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Edeltraud Glänzer. „Wir müssen immer wieder prüfen, was wir ändern können“, sagte sie beim Generationenkongress der IG BCE. Erstmals trafen Vertreter der IG BCE-Jugend, der Regionalforen sowie Betriebsräte aufeinander, um sich mit Zukunftsfragen zu befassen.

Franz Bischof

Generationenkongress der IG BCE Zwei Tage diskutierten junge Gewerkschafter, Betriebsräte und Vertreter der Regionalforen miteinander.
25.11.2015
  • Von: Marcel Schwarzenberger
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Rund 70 Gewerkschafter diskutierten über Themen wie Generationenvertrag, Weiterbildung, Arbeitsplatzsicherheit und Integration von Flüchtlingen. Der Kongress „Miteinander Zukunft machen“ soll auch für den 6. Gewerkschaftskongress der IG BCE im Herbst 2017 wichtige Impulse geben.

Alt gegen Jung? – Ein Mythos

Manchmal würden die Generationen in der öffentlichen Diskussion gegeneinander ausgespielt, sagte Stephanie Albrecht von der Abteilung Politik der IG BCE und zitierte Schlagzeilen wie: „Organisierte Ausbeutung der Jungen durch die Alten“. Es ging dabei um die Berichterstattung zur abschlagsfreien Rente mit 63 im Jahr 2014. Kommentatoren arbeiteten sich damals an der Zukunftsfähigkeit des Generationenvertrags ab. Dem Prinzip also, dass Arbeitnehmer in Renten- und Versicherungskassen einzahlen und später ihrerseits davon profitieren, weil die nachrückenden Generationen ebenso verfahren.

Franz Bischof

Stephanie Albrecht, Michael Porschen Stephanie Albrecht, Abt. Politik IG BCE

Der demografische Wandel ist zu spüren. Es kommen weniger Kinder, die Menschen leben zugleich länger – für die sozialen Systeme ist das eine Herausforderung. „Die IG BCE sieht im demografischen Wandel selbst kein Problem“, betonte Albrecht. Aber er müsse politisch gestaltet werden. Und nicht als Gegeneinander der Generationen. „Wir machen das im Dialog.“

Der Status quo in der IG BCE

„Die Jugend ist leider kein großes Thema in unserer Ortsgruppe“, bilanzierte Martin Sieber (Toyoda Gosei Meteor, Bockenem). Dass die Jugend „immer nur Spaß“ wolle, sei ein Vorurteil bei vielen Älteren, sagte Nico Becks, stellvertretender Vorsitzender des Bundesjugendausschusses der IG BCE. „Wir Jungen wollen spüren, dass ihr noch etwas aktiv macht“ – so laute im Gegenzug ein Vorurteil bei jungen Arbeitnehmern. Im Worldcafé, der Diskussionsrunde während des Kongresses, kam die Frage auf, ob die klassische Ortsgruppenarbeit noch zeitgemäß sei. Und ob es nicht neue Formen der Beteiligung geben solle. Denn beteiligen will sich die Jugend an politischen Prozessen durchaus. „Sie muss aktiviert werden“, forderte Becks.

Sorge um Arbeitsplatz

Die aktuelle Shell-Jugendstudie widmete sich erstmals einer Generation, die vollständig im wiedervereinigten Deutschland aufwuchs und die derzeit einen vergleichsweise entspannten Arbeitsmarkt erlebt. „Die wirtschaftlichen Ängste nehmen ab“, sagte Mitautorin Prof. Gudrun Quenzel. Die Jugend sei wieder mehr an gesellschaftspolitischen Themen interessiert. Zugleich sei für 95 Prozent der Jugendlichen ein sicherer Arbeitsplatz sehr wichtig. „Ich glaube, damit ist nicht nur der unbefristete Arbeitsvertrag gemeint“, sagte Prof. Quenzel. Das sah IG-BCE-Bundesjugendsekretär Michael Porschen etwas anders. „Die unbefristete Übernahme in den Betrieben ist für die meisten jungen Beschäftigten die wichtigste Frage“, sagte er und bezog sich auf die IG-BCE-Jugendstudie 2013.

Lebenslanges Lernen

Bildung ist für Menschen jeden Alters ein gewichtiges Thema. „Unser Ausbildungsleiter predigte immer lebenslanges Lernen“, berichtete Ines Hofmann (Merck, Darmstadt). Aber dann sei vor gut zwei Jahren die Weiterbildungsabteilung des Betriebs geschlossen worden. Das ist häufig die Realität. Weiterbildung, so ein Fazit, müsse in den Betrieben laufen – und sie müsse als Arbeitszeit gelten. Auch der Wissenstransfer von älteren zu den jungen Arbeitnehmern müsse besser funktionieren, sagte Porschen. Zu oft träten Ältere aus den Betrieben aus, ohne längere Zeit mit jungen Mitarbeitern zusammenarbeiten zu können. Und die Jungen rückten oft ohne Langzeitperspektiven für den Arbeitsplatz nach. „Da geht viel Praxiswissen verloren.“

Franz Bischof

Edeltraud Glänzer Edeltraud Glänzer, stellvertretende Vorsitzende IG BCE

Die IG BCE stehe für gute Ausbildung, gute Arbeitsbedingungen und unbefristete Arbeitsverhältnisse, sagte Glänzer. Auch Bildung und Wissenstransfer funktionierten nur mit sicheren Arbeitsplätzen. „Das geht nicht mit Leiharbeit und Zeitverträgen.“

Der Blick nach vorn

2016 finden für die IG BCE die wichtigen Vertrauensleute- und Ortsgruppenwahlen statt. „Damit die IG BCE stark bleibt, wollen wir die Jugend gewinnen“, sagte die stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Glänzer. Aber es müsse neben den etablierten Strukturen, also Regionalforen, Ausschüssen und Ortsgruppen, auch eine offene Beteiligung ermöglicht werden. Die Jugend engagiert sich oft themenbezogen und außerhalb von Gremien. Das solle die Gewerkschaft aufgreifen, befand Glänzer. „Mit Gesprächen zu bestimmten Themen und mit Veranstaltungen, zu denen wir auch Leute einladen, die nicht aus den Strukturen kommen.“

Franz Bischof

Michael Porschen IG-BCE-Bundesjugendsekretär Michael Porschen

Die Diskussionsrunden, Worldcafés und Vorträge des Kongresses werden in einer Dokumentation aufgearbeitet. Die Themen und Ergebnisse sollen nun vor Ort weiter diskutiert werden. Bei den Bezirksdelegiertenkonferenzen zum Beispiel. Dann könnte es Anträge beim Gewerkschaftskongress 2017 geben, die von Alt und Jung gemeinsam formuliert würden. „Warum sollten Jugendliche nicht auch dafür kämpfen, dass jemand gut in Rente gehen kann?“, fragte Porschen. Umgekehrt könnten sich die Älteren für Themen stark machen, die die Jugend heute interessiert. Glänzer machte viele Gemeinsamkeiten der Generationen innerhalb der IG BCE aus. „Es gibt zwar jeweils einen differenzierten Blick, aber so weit liegen wir gar nicht auseinander.“

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