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Tipps und Infos für Azubis

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01.12.2014

Von: Rolf Winkel

Tipps für Azubis

Die Qual der Wahl: Zwei Arbeitsangebote

In den Monaten vor Ausbildungsende sind viele Azubis unsicher, wie es danach weiter geht. Klar ist: Wenn du keine feste Zusage vom Ausbildungsbetrieb hast, solltest du dich in jedem Fall auch um andere Jobangebote kümmern - und zugreifen, wenn sich dort gute Chancen bieten. Manchmal kommt dann aber plötzlich doch noch ein Super-Angebot vom Ausbildungsbetrieb. Kann man dann den Arbeitsvertrag mit der anderen Firma noch lösen?

Für welchen Betrieb du dich in einer solchen Situation entscheiden solltest – das hängt ganz vom Einzelfall ab. Klar ist aber: Häufig hast du die Freiheit, dich zu entscheiden. Du kommst nämlich meist aus dem einmal geschlossenen Vertrag wieder heraus. Das ergibt sich aus einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts vom 9. Februar 2006 (Az: 6 AZR 283/05).

Im Fall, mit dem sich die obersten deutschen Arbeitsrichter befassten, sollte ein Arbeitnehmer aus Rheinland-Pfalz seine neu gefundene Stelle zum 1. Januar 2004 antreten. Dies war per Arbeitsvertrag bereits Anfang November 2003 vereinbart worden. Doch in diesem Fall überlegte es sich das Unternehmen (und nicht der Arbeitnehmer) anders und kündigte Ende November zum 31. Dezember den geschlossenen Arbeitsvertrag.

Korrekt – befand das BAG. Ein Arbeitsverhältnis könne auch schon gekündigt werden, wenn der neue Beschäftigte seine Arbeit noch gar nicht aufgenommen habe. Dann gelte die für die Probezeit vereinbarte Kündigungsfrist. Wenn im Vertrag nichts Anderes stehe, gelte die gesetzliche Frist von zwei Wochen. Im Fall, über den entschieden wurde, war eine vierwöchige Kündigunsfrist in der Probezeit vereinbart worden. Damit konnte das betroffene Unternehmen Ende November fristgerecht zum 31.12.2003 kündigen. Hätte die übliche zweiwöchige Kündigungsfrist gegolten, wäre sogar eine Kündigung noch Mitte Dezember 2003 möglich gewesen. Die Entscheidung des BAG betraf zwar einen Arbeitgeber – gleiches würde jedoch auch im umgekehrten Fall gelten, wenn ein Arbeitnehmer sich gegen einen Jobantritt entschieden hätte.

Auf Klauseln im Arbeitsvertrag achten

Anders sieht die Sache aus, wenn die Kündigung vor Jobbeginn durch den Arbeitsvertrag ausdrücklich ausgeschlossen ist. Eine solche Klausel kann in den Arbeitsvertrag aufgenommen werden. Sie ist allerdings nur wirksam, wenn hierdurch beide Seiten – also Arbeitgeber und Arbeitnehmer – gebunden werden. Wenn du einen Arbeitsvertrag unterschrieben hast, durch den die Kündigung vor Arbeitsbeginn ausgeschlossen wird, solltest du dich in jedem Fall beraten lassen – als IG-BCE-Mitglied kannst du den gewerkschaftlichen Rechtsschutz in Anspruch nehmen.

Eins solltest du allerdings niemals tun: Ohne eine Kündigung einfach nicht bei der Arbeit erscheinen. In so einem Fall verletzt du deine arbeitsvertraglichen Pflichten – schlimmstenfalls droht dann sogar eine Schadenersatzzahlung. Zudem wäre das ein Verstoß gegen „Fair Play“.

Oft kann es auch sinnvoll sein, mit „offenen Karten“ zu spielen. Wenn du ein gutes Angebot deines Ausbildungsbetriebs erhalten hast, zu dem du nicht „Nein“ sagen willst, solltest du das dem anderen Arbeitgeber, mit dem du bereits einen Arbeitsvertrag geschlossen hast, ganz offen sagen. Möglicherweise ist dieser bereit, den einmal geschlossenen Vertrag einvernehmlich aufzuheben. Immerhin hat kein Unternehmen ein Interesse daran, einen Arbeitnehmer zu binden, der bereits wieder auf dem Absprung ist.

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