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Tipps und Infos für Azubis

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01.12.2014

Von: Rolf Winkel

Tipps für Azubis

Ausbildungszeugnis verlangen

Wenn deine Ausbildung endet, solltest du von deinem Ausbildungsbetrieb in jedem Fall ein Ausbildungszeugnis verlangen. Damit keine Missverständnisse auftreten: Es geht nicht um das Abschlusszeugnis, das du nach deiner Abschlussprüfung erhältst und auch nicht um das Berufsschulzeugnis.

Das Ausbildungszeugnis bezieht sich konkret auf deinen Ausbildungsbetrieb und auf das, was du dort in deiner Ausbildung gemacht hast.

Geregelt ist das in § 8 des Berufsbildungsgesetzes. Danach muss das Zeugnis Angaben „über Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung sowie über die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse des Auszubildenden“ enthalten. Das ist sozusagen die Mindestanforderung. Du hast aber Anspruch auf mehr, auf ein so genanntes „qualifiziertes Zeugnis“. Das musst du allerdings verlangen. Hierin ist dann eine genaue Tätigkeitsbeschreibung und vor allem eine Leistungs- und Führungsbewertung enthalten. Ein solches Zeugnis brauchst du für spätere Bewerbungen, es sollte jedoch „vernünftig“ ausfallen – und dabei kannst du durchaus selber nachhelfen, in dem du Wünsche äußerst, was im Zeugnis enthalten sein sollte. Du kannst beispielsweise darum bitten, dass im Zeugnis besonders solche Arbeitsinhalte und Fähigkeiten betont werden, die dir in Hinblick auf deine berufliche Zukunft wichtig sind – die anderen brauchen nur kurz erwähnt werden. Beispiel: Wenn du recht erfolgreich per Telefon neue Kunden geworben hast, sollte das im Zeugnis nur dann hervorgehoben werden, wenn du diese Tätigkeit auch wirklich gerne ausübst.

In der Regel wird dein Ausbildungsbetrieb nichts dagegen haben, wenn du eigene Vorschläge für das Zeugnis machst. Meist hat nämlich niemand Interesse daran, deiner beruflichen Laufbahn Steine in den Weg zu legen. Und: Ein Entgegenkommen beim Zeugnis kostet die Firma nichts.

Das fertige Zeugnis sollteste du aber kontrollieren lassen – beispielsweise vom örtlichen IG-BCE-Büro. Einige Beispiele, worauf zu achten ist: „Herr Müller hat sich immer um die zufriedenstellende Bedienung unserer Kunden bemüht“. Das klingt doch gut, oder?

Falsch: „Er hat sich bemüht“, bedeutet in der Zeugnissprache nichts anderes als „er hat es nicht geschafft“. Es gibt eine Reihe von feststehenden Regeln zur Interpretation von Arbeitszeugnissen, die man zumindest in größeren Unternehmen bzw. in deren Personalabteilungen kennt. Dazu gehört auch eine verschlüsselte Notengebung. Beispiel: Der Formulierung „hat die an ihn gerichteten Anforderungen erfüllt“ entspricht der Schulnote „4“. Zu einer „1“ wird diese Redewendung erst durch den Zusatz „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“.

Genau über solche Klauseln wurde am 18. November 2014 vor dem Bundesarbeitsgericht gestritten. Verhandelt wurde dabei über die Klage einer 25-jährigen, der ihr Arbeitgeber – ein Zahnarzt – bescheinigt hatte „zu unserer vollen Zufriedenheit“ gearbeitet zu haben. Dies entspricht – wie auch die BAG-Richter bestätigten – der Note 3, also einer durchschnittlichen Leistung. Die Betroffene wollte eine bessere Beurteilung etwa durch den Zusatz „stets“ oder durch die Bescheinigung der „vollsten“ Zufriedenheit. Diese Forderung lehnte das BAG ab. Begründung: Wolle ein Mitarbeiter eine bessere Bewertung, müsse er genaue Gründe dafür darlegen, entschied der 9. Senat (Az.: 9 AZR 584/13).

Wichtig noch: Das Ausbildungszeugnis solltest du in jedem Fall verlangen – auch dann, wenn du vom Ausbildungsbetrieb übernommen wirst!

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