Women’s March

Pinker Protest

Beginn einer Bewegung oder Eintagsfliege? Der "Women’s March" hat Millionen
Menschen mobilisiert. Für den Frauentag planen die Organisatorinnen einen Generalstreik.

Chuck Fishman/Getty Images

Ende Januar demonstrierten Millionen für Gleichbehandlung. Ende Januar demonstrierten Millionen für Gleichbehandlung. Der Künstler Shepard Fairey veröffentlichte zu Trumps Amtseinführung die Bildserie "Wir, das Volk", um für ein weltoffenes Amerika zu werben.
27.02.2017
  • Von: Andrea Bracht
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Sie vereint nicht Hass, sondern Leidenschaft. In 670 Städten auf der ganzen Welt versammeln sie sich: Menschen, in denen der Wille brennt, ein Grundrecht zu erstreiten: Gleichbehandlung. Hunderttausende folgten Ende Januar allein dem Ruf nach Washington zum "Women’s March" (Marsch der Frauen). Was am Tag nach Trumps Vereidigung entstand, gilt als größter Protest der US-Geschichte – größer als die Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg 1969. Landesweit beteiligen sich laut CNN mehr als eine Million Menschen an den Protesten. Sie hoffen, am Anfang einer großen Bewegung zu stehen.

Dass der "Women’s March" so populär geworden ist, hat neben Trumps Vereidigung zwei Gründe. Zum einen die Demonstrierenden selbst: Fünf Frauen haben den Protest im November angestoßen und mehr als 100 Organisationen hinter sich versammelt. Menschen verschiedener Hautfarben, Generationen, Religionen, sexueller Orientierungen, Nationalitäten, Bildungsschichten wachsen zusammen – geeint durch eine Idee. Zum anderen sind diese Menschen nicht nur gegen, sondern für etwas. Etwas Elementares: Gleichberechtigung, Gleichstellung, Gleichbehandlung. Sie haben Vorstellungen, die sie umsetzen wollen, ihr Protest ist konstruktiv. Das erscheint vielleicht banal. Aber es ist gerade dieser gestalterische, positive Ansatz, dieses Auf-ein-Ziel-hin-Arbeiten, das die Masse stärkt, den Protest friedlich hält, Sympathien schafft, Menschen verbindet und der Bewegung zur breiten Unterstützung weltweit verhilft. Weil die Menschen spürten, dass die Forderungen richtig seien, wie es die Organisatorinnen umschreiben.

"Unsere Armee der Liebe ist viel größer als die Armee von Angst, Gier und Hass." Daher hätten sie keine Befürchtungen gehegt, dass der Protest in Gewalt ausschreiten könne. Dass ausgerechnet pinke "Pussyhats" Symbol des Protests sind, legt nahe, dass sich eine neue Spielart des Feminismus gebildet hat, die bei Pink nicht gleich Rot sieht und die Reduzierung der Frau auf ihre Geschlechtsmerkmale durch ironisches Zitieren bekämpft.

Viele Menschen, die noch nie demonstriert haben, wurden mobilisiert. Nun muss sich zeigen, ob aus dem Marsch eine Bewegung wird. Die Organisatorinnen haben zehn Aktionen in 100 Tagen angekündigt. Ihr Motto: "Dies ist ein Marathon, kein Sprint." Nächste Aktion ist ein Generalstreik am Internationalen Frauentag, dem 8. März. Ähnliches hat es 1975 in Island gegeben: 90 Prozent der Frauen legten Erwerbsund Hausarbeit nieder. Das Land war lahmgelegt. Nur sind die USA nicht Island. Die US-Gewerkschaften vertreten selbst in den bestorganisierten Bereichen maximal zehn Prozent der Beschäftigten und die Streikidee der "Occupy Wall Street"-Bewegung blieb 2011 Theorie. Schafft der "Women’s March", was Occupy nicht schaffte?

Sich weltweit zu vernetzen und die Macht der Masse zu bündeln, um für etwas zu kämpfen, geht heute leichter denn je. Auch in Deutschland ist Protest angezeigt. Auch hier gibt es Menschen, die Feminismus lästig finden und den Ruf nach Gleichberechtigung nicht mehr hören können. An jene gerichtet formulierte die Autorin Sarah Bosetti in der ZDF-Satiresendung "Die Anstalt" kürzlich: "Feminismus wird man nicht los, indem man ihn bekämpft. Feminismus wird man los, indem man Sexismus bekämpft." Nächster Streckenabschnitt: Generalstreik.

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