IG BCE aktuell 03-2017

Wenn Frauen streiken

Der „Women’s March“ sorgt in den USA für neuen Schwung in der Frauenbewegung – und bringt Millionen Menschen auf die Straße. Zum Internationalen Frauentag am 8. März rufen die Organisatorinnen aus den vereinigten Staaten zum weltweiten Protest auf.

fotolia/underdogstudios

Frauenstreik
06.03.2017
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Es war ein deutliches Zeichen: Beim „Women’s March“, dem Marsch der Frauen in den USA, gingen am Tag nach Donalds Trumps Vereidigung als US-Präsident mehr als eine Million Menschen auf die Straße. Es waren Menschen verschiedener Hautfarben und Religionen, Generationen und sexueller Orientierungen. Sie protestierten für Toleranz, Gleichberechtigung und Gleichbehandlung. Weltweit – auch in Deutschland - gab es ähnliche Proteste, die sich mit dem Marsch der Frauen solidarisierten.

Nachdem in den vergangenen Monaten die Rechtspopulisten in Europa und den USA auf dem Vormarsch waren, formiert sich jetzt der Widerstand. Die Demonstranten bieten einer rückwärtsgewandten Politik die Stirn, die sich explizit gegen Frauen- und Minderheitenrechte richtet. Auch in Europa: In Polen gingen im Herbst 2016 zigtausende Menschen gegen ein totales Abtreibungsverbot auf die Straße – und verhinderten erfolgreich die Gesetzesverschärfung.

Aufruf zum Generalstreik

Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März wollen die Initiatorinnen des „Women‘s March“ jetzt ein weiteres Zeichen setzen. Unter dem Motto „A Day Without a Woman“ (Ein Tag ohne Frauen) rufen sie alle Frauen in den USA zur Niederlegung der Arbeit auf. Sie sollen auf Konsum verzichten und auf die Straße gehen. Der Protest soll klarmachen, welchen enormen Wert Frauen für das sozio-ökonomische System haben, obwohl sie niedrigere Löhne bekommen und größerer Ungleichheit, Diskriminierung oder Gewalt ausgesetzt sind. Die Initiatorinnen begreifen die Aktion als „Reaktion auf die soziale, rechtliche, politische, moralische und verbale Gewalt, die Frauen derzeit überall in der Welt erfahren.“

Welche Wirkung der Protest erzielen wird, ist offen. Denn in den USA sind Streiks und Streikaufrufe grundsätzlich selten, auch weil die Gewerkschaften in den USA heute nur noch wenige Beschäftigte vertreten. Kein Wunder also, dass das Vorbild des Frauenstreiks aus dem streikwilligeren Europa kommt: 1975 legten in Island 90 Prozent der Frauen bei einem Streik die Haus- und Erwerbsarbeit nieder und sorgten damit im ganzen Land für Stillstand. Heute steht Island laut Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums in Sachen Gleichstellung auf Platz eins.

Solidaritätsmärsche in Deutschland

Die „Women‘s March“-Bewegung setzt auf eine Solidarisierung der Menschen weltweit. Der Aufruf zum Generalstreik hat sich mittlerweile internationalisiert, Protestmärsche sind in mehr als 30 Ländern weltweit geplant. Auch in Deutschland wird es am 8. März zahlreiche Solidaritätsmärsche geben, zum Beispiel in Berlin, Frankfurt oder Hamburg. Sie reihen sich ein in die zahlreichen Aktionen und Demonstrationen, die am 8. März in Deutschland stattfinden.

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