Geschichte der Frauenrechte

Auf dem Weg zur Diktatur: Wählen und Kinder gebären

Die Weimarer Republik bringt das lang ersehnte Wahlrecht für Frauen. Trotz dieses Erfolges verändert sich das Rollenbild in der Gesellschaft kaum. Das Ideal ist weiterhin die Hausfrau und Mutter. Und auch wichtigen Errungenschaften wie mehr gesellschaftlicher Freiheit und Individualität währen nur kurz. Denn die Republik steuert immer mehr auf die Diktatur zu. Und die nationalsozialistische Ideologie reduziert die Frauen auf eine Hauptaufgabe: viele Kinder gebären.

Volksfürsorge

Frauen im Büro
01.03.2013
  • Von: Sarah Warsitz
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Die Weimarer Republik: Wählen gehen und weiter zu Hause bleiben

Bei den Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung im Januar 1919 beteiligen sich fast 90 Prozent der Wählerinnen. Fast 10 Prozent der Abgeordneten der verfassungsgebenden Versammlung 1919 in Weimar sind Frauen. Erst der deutsche Bundestag von 1983 erreicht wieder einen solchen Frauenanteil.

Die Weimarer Verfassung verpflichtet den Staat auf den Schutz der Mutterschaft und das Wohlergehen von Kindern. Eine uneingeschränkte Gleichstellung von Männern und Frauen wie etwa Abgeordnete der SPD forderten, enthält sie jedoch nicht. Artikel 109 der Weimarer Verfassung schrieb Frauen lediglich „grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten" zu.

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Frauen in der Weimarer Republik demonstrieren in Berlin für das Frauenwahlrecht Frauen in der Weimarer Republik demonstrieren in Berlin für das Frauenwahlrecht

Die Parlamentarierinnen setzen aber eine Reihe von so genannten "Frauengesetzen" durch, darunter die Zulassung von Frauen als Rechtsanwältinnen und Richterinnen sowie Mindestlöhne und Sozialversicherung für Heimarbeiterinnen. Sie erleiden aber auch viele Niederlagen, wie zum Beispiel das „Beamtinnen-Zölibat", das weibliche Beamte bei Heirat oder der Geburt eines Kindes zwingt, ihren Dienst zu quittieren.

Trotz neuer politischer Teilhabe der Frauen ist das Frauenbild der Weimarer Republik nicht durch die neue Staatsbürgerin geprägt. Die nicht berufstätige Ehefrau und Mutter bleibt weiterhin das verbreitete gesellschaftliche Ideal.

Zwar steigt die Zahl der weiblichen Angestellten von einer halben Million 1907 auf fast anderthalb Millionen 1925 an. Fast ein Drittel aller verheirateten Frauen ist erwerbstätig, darunter überproportional viele Arbeiterinnen. Zur finanziellen Unabhängigkeit reicht das bei  vielen  nicht aus. Eine entscheidende Minderheit der Frauen kann jedoch aus der bisherigen Geschlechterrolle ausbrechen und von mehr gesellschaftlicher Freiheit und Individualität profitieren. Die 1930er Jahre zeigen aber, dass diese Errungenschaften sehr kurzlebig und zerbrechlich sind.

Frauen im Nationalsozialismus: Kinder für Volk und Führer

Die nationalsozialistische Mutter-Ideologie zerstört alle Errungenschaften der Frauen. Die Frau wird auf ihre Rolle als Mutter reduziert und für das Sein oder Nichtsein des deutschen Volks verantwortlich gemacht. Haupt-Lebenszweck: Viele Kinder gebären.

Nach der Machtübernahme Hitlers löst sich der Bund deutscher Frauenvereine auf, um einer Gleichschaltung zuvor zu kommen. Die Nazis verbieten Frauen, ein politisches Amt zu bekleiden und auch der Zugang zu den Hochschulen wird beschränkt. Nur noch zehn Prozent der Studenten dürfen weiblich sein.

Obwohl die Ideologie Frauen auf Familienarbeit beschränkt, gehen viele einer Arbeit nach: In der Rüstungsindustrie der Vorkriegszeit haben Frauen einen Anteil von fast 40 Prozent. Im Krieg übernehmen sie noch mehr Aufgaben.

Der Nazi-Terror verhindert offene politische Betätigung für Frauen. Doch im Untergrund engagieren sie sich weiter. Der Anteil von Frauen im politischen Widerstand wird auf etwa 20 Prozent geschätzt.

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