Equal Pay Day 2015

Arbeit partnerschaftlich teilen

Der Equal Pay Day am 20. März 2015 markiert symbolisch die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Für Christina Schildmann von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin liegt eine der Ursachen für diese Benachteiligung in den unterschiedlichen Arbeitszeiten von Männern und Frauen, dem gender time gap. Ihrer Meinung nach hat die Familienarbeitszeit das Potential, diesen Missstand aufzubrechen.

Christina Schildmann Christina Schildmann, Friedrich-Ebert-Stiftung
20.03.2015
  • Von: Michaela Ludwig
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Wie entsteht die gender time gap?

Die Arbeitszeiten von Männern und Frauen sind höchst unterschiedlich: Frauen, insbesondere Mütter, arbeiten viel häufiger in kleiner Teilzeit und Männer oft in überlanger Vollzeit. Das wirkt sich auf die Löhne aus. Zugleich leisten Frauen noch immer den größten Teil der Sorgearbeit. Deswegen fehlt ihnen häufig die Möglichkeit, in Vollzeit oder vollzeitnah am Arbeitsmarkt zu partizipieren. Mit dem Modell der Familienarbeitszeit wird die Erwerbs- und Sorgearbeit gerechter verteilt.

Was steckt hinter dem Modell der Familienarbeitszeit?

Nur wenn die Männer ihre Arbeitszeit reduzieren, können Frauen ihre erhöhen. Das Modell der Familienarbeitszeit belohnt die Paare, die sich gemeinsam dafür entscheiden, jeweils 80 Prozent, das sind 32 Stunden, zu arbeiten. Dann erhalten sie über drei Jahre hinweg ab dem zweiten Lebensjahr des Kindes eine Lohnersatzleistung, die sich am Nettoeinkommen orientiert.

Eine wichtigere Voraussetzung für die gleichmäßige Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit ist jedoch auch eine bessere Bezahlung sozialer Dienstleistungen. Denn meist sind es die mies bezahlten, typischen „Frauenberufe“, die beim Aushandlungsprozess am Küchentisch den Kürzeren ziehen, wenn es darum geht, wer innerhalb eines Elternpaares in welchem Umfang erwerbstätig sein kann.

Wer soll von dieser Leistung profitieren?

Diese Leistungen sind nicht an die Institution der Ehe geknüpften, sie kann von allen Eltern beantragt werden. Von Alleinerziehenden über Unverheiratete, Patchwork- bis zu Regenbogenfamilien. Politisches Ziel ist neben der partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit, dass auch Eltern, die wenig verdienen, sich mehr Zeit für ihre Kinder leisten können.

Um die Familienarbeitszeit erfolgreich einzuführen, ist neben dem politischen Willen die Akzeptanz der Arbeitgeber unerlässlich…

Die Arbeitgeberverbände sind skeptisch. Aber die Unternehmen werden angesichts veränderter Rollenbilder und des demografischen Wandels ohnehin nicht darum herum kommen, flexiblere Arbeitszeitformen anzubieten. Unterstützt werden wir von den Gewerkschaften. So folgt der IG-BCE-Tarifvertrag Demografie derselben Logik.

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