Betreuungsgeld endlich vom Tisch

Jetzt die richtigen Weichen stellen

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, das Betreuungsgeld ist Geschichte. Dazu erklärt die stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Edeltraud Glänzer:

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23.07.2015
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Ausbau einer qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung

Kaum hat Karlsruhe entschieden, ist der Streit um die künftige Verwendung der Gelder voll entbrannt. Die IG BCE hat keinen Anlass, an ihren schon länger formulierten grundsätzlichen Positionen etwas zu ändern – wir bleiben bei unserer Auffassung.

Wir appellieren an die Politik, den notwendigen Ausbau einer qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung voranzutreiben, um allen Kindern gleiche Chancen auf eine frühkindliche Förderung, gute Bildung und Ausbildung zu geben und Mütter und Väter in ihrer Berufstätigkeit zu unterstützen. Es geht um bessere Möglichkeiten der Vereinbarkeit und um eine echte Wahlmöglichkeit auch für den Beruf.

Mehr Partnerschaftlichkeit und mehr Zeit für Familien

In den vergangenen Jahren wurden wichtige Meilensteine für eine bessere Familienpolitik gesetzt. Der Ausbau der Kinderbetreuung mit der Schaffung eines Rechtsanspruchs auf Betreuung ab 2013, die Flexibilisierung der Elternzeit- und die Einführung von Elterngeld Plus und des sogenannten Partnerschaftsbonus in 2015 seien hier beispielhaft genannt. Wir brauchen einen Dreiklang aus Geld, Zeit und Infrastruktur, dann sind Beruf und Familie so zu vereinbaren, dass Eltern mehr Zeit für die Familie haben und Partnerschaftlichkeit bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht wird. So werden neue Gestaltungsmöglichkeiten und mehr Flexibilität im Alltag geschaffen. Diesen Weg gilt es konsequent fortzusetzen.

Erheblichen Handlungsbedarf sehen wir nach wie vor auch bei den Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen, der Möglichkeiten Kita-Plätze zu teilen und der teils stark ausgeprägten Orientierung der Kommunen am Wohnortprinzip. Hier sind insbesondere die Kommunen und die Träger der Einrichtungen gefragt, Lösungen zu schaffen, die den Bedürfnissen der Eltern besser gerecht werden.

Betriebliche Rahmenbedingungen gestalten

Die Vereinbarkeit ist ein bedeutendes politisches aber auch betriebliches Handlungsfeld geworden und hat somit die Ecke des „familienpolitischen Gedöns“ verlassen. Die Lebensentwürfe junger Eltern haben sich verändert. Die große Mehrheit der Eltern mit Kinder unter drei Jahren wünscht, dass es beiden Partnern gelingen sollte, die Aufgaben im Beruf und Familie gleichmäßiger untereinander aufzuteilen.

Frauen und Männer wünschen sich hierfür auch unterstützende Aktivitäten in den Unternehmen. Zudem gewinnen zukunftsfähige, familienorientierte Personalkonzepte auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und des Fachkräftemangels an Bedeutung.

Die IG BCE treibt das Thema weiter voran. Mit unserem vielfältigen Engagement sensibilisieren wir für seine Bedeutung, bringen mehr Schwung in die Sache und initiieren mehr Vereinbarungen in den Betrieben. Dies mit großem Erfolg, so haben wir eine Vielzahl von Regelungen abschließen können, die ganz unterschiedliche Antworten auf die jeweiligen Vereinbarkeitsprobleme geben. Das Spektrum reicht von der familiengerechten Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Arbeitsorten über Information und Kommunikation bis zur Weiterbildung während der Elternzeit, bis zu betrieblich unterstützter Kinderbetreuung und Familienserviceleistungen.

Ein wichtiger Baustein ist beispielsweise die Sozialpartnervereinbarung, die wir schon 2006 mit dem Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) abgeschlossen haben. Zudem haben wir die Gestaltung der Vereinbarkeit  in unserem Tarifvertrag „Demografie und Lebensarbeitszeit“ als wichtiges Handlungsfeld aufgegriffen.

Wir legen den Fokus auf die Nachhaltigkeit unserer Aktivitäten, indem  wir die Betriebsparteien zum Handeln auffordern, mit unterschiedlichsten Materialien unterstützen, best practice Beispiele kommunizieren und Erfahrungsaustausch organisieren. So tragen wir auch zur Vernetzung über die betriebliche Ebene hinaus bei.

Das Betreuungsgeld war eine falsche Weichenstellung

Wir sehen die Politik in der Verantwortung, den Weg für ein zeitgemäßes Verständnis von Familie, Partnerschaft und Kindern fortzusetzen. Wer eine moderne Familienpolitik und Wahlfreiheit für Eltern will, der muss sie in ihrer Berufstätigkeit unterstützen und gleichzeitig Chancengleichheit gewährleisten. Wer allen Kindern gleiche Chancen auf eine frühkindliche Förderung, gute Bildung und Ausbildung geben will, der investiert in die Infrastruktur.

Die IG BCE streitet für einen schnellen, qualitätsorientierten und flächendeckenden Ausbau der öffentlichen Betreuung: Zwei Schritte vor und keinen zurück!

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