Deutscher Betriebsräte-Preis - IG-BCE-Betriebsräte ausgezeichnet

Gold für die Zukunft

„We are the Champions!“– der Klassiker der Rock-Band Queen schallt nach der Vergabe des Deutschen Betriebsräte-Preises 2016 durch den alt-ehrwürdigen Plenarsaal des Bonner Bundestages. „Es ist überwältigend. Ich kann’s kaum in Worte fassen“, sagt André Matta, Betriebsrat bei BASF SE in Ludwigshafen sichtlich bewegt. Sein Projekt, eine zukunftsorientierte Standortvereinbarung, wurde mit dem Deutschen Betriebsräte-Preis in Gold geehrt.

Ute Grabowsky/photothek.net

André Matta, BR von BASF SE Ludwigshafen André Matta, BR von BASF SE Ludwigshafen, nach der Preisverleihung.
11.11.2016

„Allein seine Arbeit auf dem Deutschen Betriebsräte-Tag präsentieren zu können, ist schon toll. Wenn man dann noch ausgezeichnet wird – Wahnsinn!“, strahlt der Gewinner des Betriebsräte-Preises 2016 und betont, dass er den Preis selbstverständlich stellvertretend für das gesamte Gremium entgegennehme.

Gerechter Lohn für offensive und vorausschauende Betriebsratsarbeit, so sieht es die Laudatorin, Edeltraud Glänzer, die stellvertretende Vorsitzende der IG BCE: „Die BASF ist ein wichtiges Unternehmen für die IG BCE. Wir sind stolz auf euch – auf das, was ihr erreicht habt, sowie auf die Auszeichnung durch den Betriebsräte-Preis“, und fügte hinzu: „Das ist zukunftsorientierte Betriebsratsarbeit. Ihr habt nicht abgewartet, sondern ihr habt Verantwortung übernommen.“

Betriebsrätetag 2016

Verantwortung für 35.000 Mitarbeiter, die am am Verbundstandort Ludwigshafen für den Chemiekonzern BASF SE arbeiten. Dass diese Beschäftigten mit Zuversicht in ihre berufliche Zukunft blicken können, liegt auch an der Standortvereinbarung, die André Matta und seine Kolleginnen und Kollegen im Betriebsrat mit der Unternehmensführung ausgehandelt haben. Herzstück der Vereinbarung ist die Sicherung der Arbeitsplätze: Bis 2020 wird es für die Belegschaft am Standort Ludwigshafen keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Mit der Vereinbarung zur Standortsicherung gehen auch milliardenschwere Investition in die Modernisierung und Erhaltung sowie in Forschung und Entwicklung einher. Die Stärkung der eigenen Ausbildung im Sinne der Nachwuchsförderung und die Einführung eines Gesundheitsmanagements sind weitere Schritte in der Vereinbarung, um den Standort der BASF SE zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.

  • Impressionen von der Verleihung des Betriebsräte-Preises 2016
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    Deutscher BetriebsräteTag

    Impressionen von der Verleihung des Betriebsräte-Preises 2016

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Für Edeltraud Glänzer ist diese Vereinbarung ein „Paradebeispiel“ für eine pro-aktive Mitgestaltung, die die Anforderung der Wettbewerbsfähigkeit und gleichzeitig die Absicherung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Blick nehme.

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Ralf Hermann, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei der Evonik Industries Ralf Hermann entwickelte mit seinen Kolleginnen und Kollegen eine „demografiefeste“ Nachfolgeplanung des Gesamtbetriebsrats der Evonik Industries in der Wahlperiode von 2014 bis 2018, die den reibungslosen Übergang der Interessenvertretung für die Evonik-Beschäftigten sicherstellen soll. Dafür gab es den Sonderpreis „Innovative Betriebsratsarbeit“.
Aus den Reihen IG-BCE-organisierter Betriebe gab es einen weiteren Preisträger: Der Sonderpreis „Innovative Betriebsratsarbeit“ ging an Ralf Hermann, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Evonik Industries, und seine Kolleginnen und Kollegen für ihr Projekt: „GBR 2020 – Innovative Nachfolgeregelung“. Der Gesamtbetriebsrat hatte die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt: Nach 2018 wäre über die Hälfte der Mitglieder nicht mehr im Betriebsrat gewesen. Um auch nach 2018 noch ein starkes Gremium der Interessenvertretung zu haben, musste also gehandelt werden. Entsprechend entwickelte Ralf Hermann mit seinen Kolleginnen und Kollegen eine „demografiefeste“ Nachfolgeplanung des Gesamtbetriebsrats der Evonik Industries in der Wahlperiode von 2014 bis 2018, die den reibungslosen Übergang der Interessenvertretung für die Evonik-Beschäftigten sicherstellen soll. Hierzu wurde gemeinsam mit der IG BCE eine innovative Weiterbildungsstrategie für die Qualifizierung der Nachfolgerinnen und Nachfolger unter dem Stichwort „GBR 2020“ initiiert. „Unser Projekt ist auch eng mit der Gewerkschaft und dem Bildungszentrum in Haltern am See verzahnt. In gewisser Weise ist der Preis auch eine Auszeichnung für die IG BCE, die gezeigt hat, dass man zusammen so etwas umsetzen kann“, unterstrich Hermann.

Dr. Brigitte Bauhoff, Betriebsrätin vom Chemieunternehmen Roche in der Sparte Roche Diagnostics Dr. Brigitte Bauhoff, Betriebsrätin vom Chemieunternehmen Roche in der Sparte Roche Diagnostics
Zwei weitere nominierte Projekte aus dem Bereich der IG BCE bekamen keinen Preis, aber dennoch viel Anerkennung für ihren Einsatz im Sinne der Arbeitnehmerinteressen. Die Betriebsrätin Dr. Brigitte Bauhoff vom Chemieunternehmen Roche in der Sparte Roche Diagnostics hatte sich mit ihrer Betriebsvereinbarung beworben, die vor allem das Outsourcing der Logistik verhindert und den Verbleib im Tarifvertrag gesichert hatte.

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Albert Kruft, Gesamtbetriebsrats- und Eurobetriebsratsvorsitzender beim Chemikalienhersteller Solvay Albert Kruft, Gesamtbetriebsrats- und Eurobetriebsratsvorsitzender beim Chemikalienhersteller Solvay
In der Kategorie Sonderpreis „Europa mitbestimmen“ waren hingegen Albert Kruft, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Solvay, und sein Gremium mit ihrer Maßnahme angetreten, ein weltweites System der Leistungsvergütung erfolgreich eingeführt zu haben – und zwar für alle Beschäftigten. Dass es nicht für den Preis gereicht hat, sah Kruft sportlich: „Dabei sein ist alles. Denn es ist vor allem wichtig, dass man Öffentlichkeit schafft für gute Betriebsratsarbeit. Das erhöht auch den Druck auf Unternehmen, wenn wir zeigen, wie es gehen kann“, so Kruft und führte als weiteren Grund für seine Teilnahme an: „Austausch, Dialog, Netzwerk – der Betriebsräte-Tag ist die richtige und einzige Plattform, um branchenübergreifend mit Kolleginnen und Kollegen in Kontakt zu kommen, sich Anregungen zu holen und selbst Input zu geben.“

Starken Input gab es in diesem Jahr von Seiten der IG-BCE-Betriebsräte. Diese stellten vier von 14 Nominierten, insgesamt wurden sogar 19 Projekte aus dem IG-BCE-Bereich eingereicht. Das zeugt von funktionierender Mitbestimmung, die für die Festrednerin Yasmin Fahimi, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, einen elementaren Bestandteil der Demokratie darstellt: „Durch Mitbestimmung im Betrieb wird Solidarität erfahrbar, der innere Zusammenhalt gestärkt. Das ist ein Beitrag zur Demokratie insgesamt.“

Betriebsratsarbeit sei kein einfaches Spannungsfeld in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung, so Fahimi: „Die Frage ist, wie aus technischer Innovation sozialer Fortschritt werden kann. Die Frage ist nicht neu. Die betriebliche Mitbestimmungspraxis flankiert durch gute Tarifverträge und starke Gewerkschaften – das gewachsene System wollen wir weiterhin fördern.“

„Völlig inakzetapel“ seien Mobbing und der Druck von manchen Unternehmen bei Neugründungen von Betriebsräten. Hier werde die politische Ebene eingreifen, Betriebsräte schützen und Sanktionsmechanismen schaffen, versprach Fahimi unter dem Applaus der anwesenden Betriebsrätinnen und Betriebsräte. Und davon waren auf der dreitägigen Veranstaltung (vom 8. bis 10. November) fast 900 aus ganz Deutschland anwesend. Krönender Abschluss war die Preisverleihung. Der Preis ist eine Initiative der Fachzeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“ in Kooperation mit dem DGB, der Otto-Brenner-Stiftung und dem Deutschen Betriebsräte-Tag. Seit 2009 werden auf diese Weise das Engagement und die erfolgreiche Arbeit von Betriebsräten prämiert, die sich nachhaltig für den Erhalt oder die Schaffung von Arbeitsplätzen oder für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Unternehmen einsetzen. Die Bewerbungsphase für den Preis 2017 läuft schon. Also auf geht’s – damit es auch im nächsten Jahr wieder Gold für die Mitbestimmung gibt.

 Die weiteren Preisträger 2016:

Silber: Konzernbetriebsrat thyssenkrupp AG

Bronze: Betriebsrat N-Ergie Aktiengesellschaft

Sonderpreis „Gute Arbeit“: Gesamtbetriebsrat Robert Bosch GmbH

Sonderpreis „Beschäftigungssicherung“: Betriebsrat Klinikum Esslingen GmbH

Sonderpreis „Europa mitbestimmen“: Eurobetriebsrat Deutsche Bahn AG

 

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