20 Jahre IG BCE

Von Kontinuität und Wandel

In diesem Jahr wird die IG BCE 20 Jahre alt. Hervorgegangen aus drei traditionsreichen Verbänden –  der IG Bergbau und Energie, der IG Chemie-Papier-Keramik und der Gewerkschaft Leder –, hat die neue Organisation rasch eine eigene Identität entwickelt und sich als Gewerkschaft neuer Art etabliert. Von Beginn an ist die IG BCE auf Veränderung angelegt, was im Übrigen auch schon im 1997 beschlossen Leitbild formuliert ist. Unverrückbar sind nur die Werte, von denen wir uns in der Gestaltung von Wandel leiten lassen: Solidarität und Gerechtigkeit.

IG BCE

IG BCE Gründungskongress 1997 Im Oktober 1997 entstand aus drei Gewerkschaften die IG BCE
06.10.2017
    Kommentare: 0
Artikel bewerten
Danke für die Bewertung
Ihre bereits abgegebene Bewertung wurde aktualisiert.

In den 1990er Jahren stehen die Gewerkschaften vor neuen Herausforderungen: Branchengrenzen verwischen, die traditionellen Industrien schrumpfen, neue Wirtschaftszweige und neue Technologien wie EDV entstehen, die Gruppe der Angestellten wächst ständig. Auf der anderen Seite ist die Arbeitswelt geprägt von Rationalisierung, Arbeitsplatzabbau und Massenarbeitslosigkeit nicht nur im Osten Deutschlands. Als Antwort auf diese Veränderungen in der Gesellschaft bündeln 1997 die IG Bergbau und Energie, die IG Chemie-Papier-Keramik und die Gewerkschaft Leder ihre Kräfte und schließen sich zur IG BCE zusammen. Ziel: Die Stärke der Organisationen zu sichern und die Durchsetzungsfähigkeit der Interessen der Mitglieder zu verbessern.

6.-10. Oktober 1997
Gründungskongress der IG BCE in Hannover.

Mai 1998
Tarifvertrag zur Altersvorsorge in der Chemie (West) bietet Möglichkeit, Entgeltbestandteile für die persönliche Altersvorsorge zu verwenden. IG BCE setzt damit einen Trend über die Branche hinaus und ist seiner Zeit weit voraus.

29. Mai 1998
Die Chemie-Sozialpartner beschließen ein Elf-Punkte-Papier zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit, darin findet sich zum ersten Mal die Möglichkeit so genannter Transfer-Sozialpläne.

27. September 1998
Nach 16 Jahren Helmut Kohl wechselt die Regierungskoalition. Gerhard Schröder wird Kanzler. Das größte Problem der Bundesrepublik bleibt die Massenarbeitslosigkeit.

2003
Die Regierung Schröder startet die Agenda 2010. Die IG BCE unterstützt grundsätzlich die Notwendigkeit von Reformen im Sozialsystem, übt aber auch Kritik an einzelnen Maßnahmen wie beispielsweise die Höhe des Arbeitslosengeldes II.
Gleichzeitig sehen sich die Gewerkschaften einer Diffamierungs- und Hetzkampagne von marktradikalen Kräften in Politik, allen voran der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle, und bei den Arbeitgebern ausgesetzt, die die Gewerkschaften für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich machen wollen. Ziel der Kampagne: Die Gewerkschaften sollen handlungs- und gestaltungsunfähig gemacht, die Rechte von Arbeitnehmern stark eingeschränkt werden.
Auch der Wirtschaftsflügel der CDU geht ans Eingemachte: Er fordert die Abschaffung der Steuerfreiheit für Sonntags,- Feiertags- und Nachtzuschläge. Dagegen protestiert die IG BCE vor der CDU-Zentrale in Berlin – mit Erfolg. Doch gleich darauf plant die Union einen radikalen Abbau des Kündigungsschutzes.

2004
Die IG BCE setzt dem neoliberalen Trend die Kampagne "Modell Deutschland – Zuerst der Mensch!" entgegen. Dieser Gegenentwurf zum Prinzips "Bereichert Euch" umfasst die Kernpunkte, auf denen die Erfolge der Nachkriegsgeschichte beruhen: Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen, Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft sowie die Förderung von Tarifautonomie, Mitbestimmung und Betriebsverfassung – zum Wohle der Beschäftigten und der gesamten Gesellschaft.

2007
Der Kohlekompromiss legt fest, dass der Steinkohlenbergbau in Deutschland im Jahr 2018 auslaufen soll. Die IG BCE hatte sich für den Erhalt eines Sockelbergbaus stark gemacht, konnte dafür aber keine parlamentarische Mehrheit gewinnen. Immerhin: Auf Drängen der IG  BCE wird eine Revisionsklausel eingebaut, nach der der Bundestag 2012 unter Beteiligung der IG BCE überprüft, ob der Auslauf zugunsten eines Kohlesockels zurückgenommen wird.

2008
Beginn der Finanzkrise. In Kooperation von Politik und Sozialpartner und dank geschickter Politik von Betriebsräten und Gewerkschaften werden Produktion und Standorte gesichert, Massenentlassungen verhindert. Arbeitszeitverkürzung, Räumung von Arbeitszeitkonten und der auch mit von der IG BCE angestoßene "Pakt für Beschäftigung und Stabilität" tragen entscheidend dazu bei. Wie von den Gewerkschaften verlangt, wird in Deutschland nicht nur ein Finanz-Rettungsschirm aufgespannt, sondern gleichzeitig ein weitreichendes Konjunkturpaket umgesetzt.

1. Oktober 2009
Das Tarifgefälle Ost-West ist eingeebnet, die Tarifangleichung in der chemischen Industrie vollendet

2010.
Wieder einmal droht die EU mit einem vorzeitigen Ende für den deutschen Steinkohlenbergbau. Auf vier Kundgebungen an Bergwerkstandorten sowie auf einer Groß-Demonstration in Brüssel macht am 29. September 2010 der ein Jahr zuvor gewählte IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis deutlich: "Wir haben 2007 einem schmerzhaften Kompromiss zugestimmt. Den lassen wir uns von der EU-Kommission nicht ohne Not kaputt machen." Der Abwehrkampf gelingt. Der von Brüssel angestrebte Endtermin 2014 kommt vom Tisch. Eine bittere Pille bleibt. 2018 endet der Steinkohlenbergbau in Deutschland. Doch niemand fällt ins Bergfreie.

März 2011
Die Katastrophe von Fukushima im stellt über Nacht auch die deutsche Energiepolitik vollkommen auf den Kopf: Bundeskanzlerin Angela Merkel verkündet den Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022. Drei Monate später verabschiedet der Bundestag eilig eine Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Das Megaprojekt Energiewende führt auch zu Problemen auf europäischer Ebene. Die IG BCE setzt sich entschieden  – und erfolgreich – dafür ein, dass die energieintensiven Industrien beim EEG entlastet werden. Damit können sie im internationalen Wettbewerb weiterbestehen. 
 Auf die neuen Herausforderungen an den Arbeitsplätzen antwortet die IG BCE mit der Kampagne "Gute Arbeit". Sie will den Wandel in Fabrik und Büro aktiv gestalten. Dauerbrenner in den Betrieben: Auswirkungen des demografischen Wandels und die Rente mit 67. Die Belastungen müssen verringert werden, damit die Menschen gesund in Rente gehen können. Ein zentraler Baustein dabei bildet der Tarifvertrag Lebensarbeitszeit und Demografie. Das Ziel: die Arbeitnehmer sollen über ihre Arbeitszeit und das Ende ihrer Beschäftigung mitbestimmen können.

3. November 2014
Auf den Revierkonferenzen in Leverkusen, in der Lausitz und im Süden von Leipzig demonstrieren mehrere Tausend Beschäftigte für bezahlbaren Strom und sichere Arbeitsplätze in der Energieerzeugung und in der energieintensiven Industrie

22. April 2015
In der Auseinandersetzung um die geplante Klimaabgabe zieht die IG BCE zusammen mit 15.000 Menschen vor das Kanzleramt. Mit Erfolg: Die Klimaabgabe ist vom Tisch und damit auch vorerst die Gefahr gebannt, dass die gesamte Braunkohle-Wirtschaft kurzfristig vor das Aus gestellt wird. Doch der Einsatz um Maß und Mitte ist damit nicht beendet. Auch in den kommenden Jahren muss die IG BCE immer wieder für Vernunft in der Energiewende kämpfen.

Sommer 2015
In der Flüchtlingskrise nimmt die IG BCE ihre Verantwortung wahr: die Gewerkschaft unterstützt Projekte des Kinderhilfswerk terre des hommes und ruft ihre Mitgliedschaft zu Spenden auf. Zugleich beginnt die IG BCE gemeinsam mit ihren Sozialpartnern, Kapazitäten zur beruflichen Integration von Flüchtlingen aufzubauen. Zudem stellt die IG BCE 125.000 Euro für Aktionen ihrer Basisorganisationen bereit.

18./19. September 2015
Mit einem Festakt in Berlin und einem großen Mitgliederfest auf Zeche Zollverein feiert die IG BCE zusammen mit mehr als 30.000 Menschen ihr 125-jähriges Jubiläum. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte die Geschichte der IG BCE und die Sozialpartnerschaft: "Wir feiern die kraftvolle Vielfalt einer starken Interessengemeinschaft. Gemeinsam setzen Sie sich ein für sichere Arbeitsplätze, für die Teilhabe der Beschäftigten an Wachstum und Wohlstand, für eine Gesellschaft, die wirtschaftlichen Erfolg und sozialen Fortschritt verbindet."

9. Mai 2017
Mit dem Potsdamer Modell hat die IG BCE erneut Innovationskraft bewiesen: Zusammen mit dem Arbeitgeberverband Nordostchemie einigt sich die Gewerkschaft auf ein bundesweit einmaliges modernes Arbeitszeitmodell. Es sieht einen neuen Vollzeitkorridor zwischen 32 bis 40 Wochenstunden vor. Innerhalb tariflich abgesicherter Leitplanken erhalten die Beschäftigten zudem mehr Souveränität über ihre Arbeitszeit.

Sommer 2017
Gesellschaftliche und politische Veränderung verunsichern immer mehr Menschen. Vieles, was Deutschland über Jahrzehnte geprägt hat, scheint heute infrage gestellt. Für die IG BCE ist klar: Rechtspopulismus und Abgrenzung kann und darf nicht die Antwort auf diese Verunsicherung sein. Deswegen setzen die Gewerkschaft im Rahmen der Kampagne "IG BCE – Die Zukunftsgewerkschaft" ein Zeichen, für welche Werte und Ziele sie steht und tagtäglich streitet: Miteinander und Solidarität.
Im Bundestagswahlkampf setzt sich die IG BCE für eine mutige Politik für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein, die echte Entlastungen und Investitionen in die Zukunft mit sich bringen: faire Regeln in der Arbeitswelt mit Mitbestimmung und Tarifvertrag, eine Rente, die für ein gutes Leben reicht, eine gerechte Finanzierung der Sozialversicherung, mehr Investitionen in Bildung und Innovation.

Weitere Informationen:

Moderationszeiten für Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser, Ihre Meinung zu diesem Artikel interessiert uns sehr. Das Moderatoren-Team ist an den Arbeitstagen ab 8 Uhr morgens wieder in der Redaktion und freut sich auf Ihren Kommentar.

Nach oben