Tag der Arbeit

„Bei uns ist noch lange nicht alles in Ordnung“

In einer kämpferischen 1.-Mai-Rede hat sich der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis für ein soziales Deutschland eingesetzt. „Das ist unser Land, wir werden es zu einem sozialen Beispiel von Gestaltung und Strukturwandel machen“, erklärte Vassiliadis unter Beifall auf der traditionellen Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DBG) in Essen. 

Frank Rogner

01.05.2017
  • Von: Bernd Kupilas
  • Fotostrecke: 9 Bilder
  • Kommentare: 0
Artikel bewerten
Danke für die Bewertung
Ihre bereits abgegebene Bewertung wurde aktualisiert.
Schlagworte

Gewerkschaften hätten erfolgreich für Solidarität und Gerechtigkeit gekämpft. „Da, wo wir stark sind, gibt es mehr soziale Ordnung, mehr wirtschaftlichen Wohlstand, mehr gesellschaftliche Stabilität.“

Zugleich sei einiges aus den Fugen geraten. Der Missbrauch, der mit Ausgliederungen, Leiharbeit und Werkverträgen betrieben werde, müsse aufhören. Auch wenn die wirtschaftliche Lage hierzulande vergleichsweise gut sei, „bedeutet das noch lange nicht, dass bei uns alles in Ordnung ist“.

Es gehe nicht, dass Arbeitgeber versuchten, die Mitbestimmung auszuhebeln. In Deutschland werde das Betriebsverfassungsgesetz ungestraft ignoriert oder unterlaufen. Deshalb müsse man die Gründung von Betriebsräten erleichtern, Tarifverträge stärken und das Spaltung der Belegschaften beendet. Mit sachgrundlosen Befristungen müsse Schluss sein, außerdem müsse die Krankenversicherung wieder paritätisch finanziert werden.

  • Foto: 

    Frank Rogner

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

1 /

Als gebürtiger Essener hatte der IG BCE-Vorsitzende bei seiner Rede in der Ruhrgebietsmetropole ein Heimspiel. Er sei vor 53 Jahren im Knappschaftskrankenhaus Essen-Stele zur Welt gekommen, erzählte Vassiliadis schmunzelnd. „Das hört man ja schon am Namen.“ Die Menschen im Ruhrgebiet hätten „einen besonderen Sinn für Solidarität und Gerechtigkeit“, betonte Hauptredner Vassiliadis bei der Maikundgebung, die trotz Dauerregens gut besucht war.

Die DGB-Veranstaltung stand unter dem Zeichen von wachsendem Populismus und Extremismus. Ausgerechnet am Tag der Arbeit versammelten sich auch Rechtsradikale in der Stadt. „Den Rechtsradikalen und Rechtsextremen muss klar sein: Verfassungsfeinde sind auch unsere Feinde“, betonte Vassiliadis.

Vassiliadis forderte dazu auf, die europäische Idee gegen die Populisten weltweit zu verteidigen. Ein soziales Deutschland sei nur in einem vereinten Europa möglich. Mit Leuten wie dem US-Präsidenten Donald Trump, der französischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen „und den anderen Figuren des Rechtspopulismus geht nichts nach vorne“, betonte Vassiliadis.

Der IG BCE-Vorsitzende plädierte für Investitionen in die Zukunft. Die Energiewende sei allerdings kein gutes Beispiel für eine vernünftige Investitionspolitik. Sie sei „ein Job-Killer“. In dem Punkt erhielt Vassiliadis Unterstützung vom Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen, der den Verlust von tausenden von Arbeitsplätzen brandmarkte. 

Moderationszeiten für Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser, Ihre Meinung zu diesem Artikel interessiert uns sehr. Das Moderatoren-Team ist an den Arbeitstagen ab 8 Uhr morgens wieder in der Redaktion und freut sich auf Ihren Kommentar.

Nach oben