Chemie-Tarifrunde 2019

„Wir arbeiten, um zu leben.“

„Wie hat sich die Arbeitsbelastung in deinem Job entwickelt?“ Und „wobei konkret würdest du dir Entlastung wünschen?“ Mit diesen beiden Fragen hat die IG BCE eine Miniumfrage per Messenger gestartet. Die Resonanz war groß: Mehr als 200 Beschäftigte der chemischen Industrie haben ihre Situation im Betrieb geschildert und sich für unterschiedliche Formen der Entlastung ausgesprochen.

IG BCE

12.04.2019
  • Von: Alexander Reupke
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Die Tendenz für die Arbeitsbelastung im Job ist eindeutig: Laut den Rückmeldungen ist sie gestiegen. Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, da sich jeder beteiligen konnte. Sie bietet aber einen Überblick über die Lage in den Betrieben und vor allem über die individuelle Situation sowie die Wünsche jedes Beschäftigten, der die Frage beantwortet hat.

Es gibt zum einen eine Arbeitsverdichtung durch gestiegene Anforderungen, aber auch durch bürokratische Vorgaben. Insgesamt sind die Gründe für eine wachsende Arbeitsbelastung sehr vielfältig. „Durch die steigende Auslastung der Anlagen hat bei uns die Arbeit für jeden Mitarbeiter drastisch zugelegt“, schrieb zum Beispiel ein Schichtarbeiter. „Wir sind völlig erschöpft nach einer 12-Stunden-Schicht.“

Andere Beschäftigte klagen über Personalmangel. „Die Arbeitsverdichtung hat durch Rationalisierungsmaßnahmen zugenommen“, schrieb beispielsweise ein Messenger-Abonnent. Viele ältere Arbeitnehmer wünschen sich mehr Entlastung im Job. Besonders die Schichtarbeiter sehen sich von starren Schichtsystemen eingeschränkt, die häufig nicht zum individuellen Lebensrhythmus und den Freizeitwünschen passen.

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Deshalb sprechen sich viele Beschäftigte für mehr Freizeit aus – sei es, um den persönlichen Hobbys nachzugehen, um mehr Zeit mit den eigenen Kindern oder Enkelkindern und der Familie zu verbringen oder, um sich vom Job erholen zu können. Flexibilität ist ein weiteres Schlagwort. Flexibel den Arbeitsort zu wählen oder die eigene Arbeitszeit flexibler gestalten zu können waren die Wünsche vieler Arbeitnehmer.

„Die Arbeitsbelastung ist tatsächlich gestiegen. Aber das ist nicht das Problem, sondern das ich an feste Arbeitszeiten gebunden bin und mir nicht flexibel die Zeit selber einteilen kann“, war eine Antwort auf die beiden Fragen. „Ich persönlich würde mir gerne viel mehr Freiheit bei der Arbeitszeit und dem Arbeitsort wünschen! Im Besonderen, da ich ein kleines Kind habe, das auch mal krank wird oder wegen Kitaschließung zu Hause bleiben muss“, antwortete jemand anderes.

Eine weitere Rückmeldung fasst gut die Meinung der meisten anderen Beschäftigten zusammen: „Es sollte endlich ein Wertewandel stattfinden. Man hat den Eindruck: Wir leben, um zu arbeiten. Das sollte sich endlich ändern: Wir arbeiten, um zu leben. Schließlich wollen wir doch alle das Rentenalter auch erreichen.“

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