Betriebsrätekonferenz zur Strukturkommission

„Das Energiethema geht uns alle an“

Die IG BCE will sich mit einer klaren Stimme für eine zwischen Klimaschutz, Industriearbeit und Strukturentwicklung ausbalancierte Energiepolitik in die Diskussion rund um die von der Bundesregierung geplante Kommission „Wachstum, Strukturwandel, Beschäftigung“ einbringen. „Wir werden, wenn nötig, Kante zeigen“, sagte der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis bei einer Betriebsrätekonferenz in Bochum. Ein vorschnelles Abschalten konventioneller Energieträger würde den Strom „schlagartig um Dimensionen verteuern“, warnte Vassiliadis vor gut 200 Betriebsräten. „Das trifft am Ende auch die Jobs in den energieintensiven Industrien.“

Frank Rogner

Michael Vassiliadis, IG-BCE-Vorsitzender, bei der Betriebsrätekonferenz Michael Vassiliadis, IG-BCE-Vorsitzender, bei der Betriebsrätekonferenz
30.05.2018
  • Von: Lars Ruzic
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Die Bundesregierung will in der Kommission Maßnahmen vereinbaren, um das für 2030 gesetzte Ziel der CO2-Reduktion zu erreichen und gleichzeitig die Lücke zum für 2020 gesetzten Wert von 40 Prozent Minus gegenüber 1990 so weit wie möglich schließen. Dazu sollen unter anderem ein Plan zur „schrittweisen Reduzierung und Beendigung der Kohleverstromung, einschließlich eines Abschlussdatums“ entwickelt und Investitionen in den vom Strukturwandel betroffenen Regionen und Branchen verabredet werden.

Die Pläne verfolgen viele Mitarbeiter in der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie mit großer Sorge. Der Pfad für ein Auslaufen der Kohleverstromung ist heute bereits vorgezeichnet - durch in den kommenden Jahrzehnten auslaufende Genehmigungen und dadurch, dass in neue Kraftwerke nicht mehr investiert wird. Jedes Abweichen davon würde jedoch empfindliche Strukturbrüche nach sich ziehen, vor allem in den deutschen Braunkohle-Standorten. „Das Abschalten  eines Kraftwerks würde sich hier auf das komplette System niederschlagen“, warnte Vassiliadis.

Die Braunkohle ist vor allem deshalb Deutschlands günstigster Energieträger, weil sie direkt am Ort des Abbaus verstromt wird. Die „lineare Logik“ eines schrittweisen Herunterfahrens funktioniere hier deshalb nicht, erläuterte Vassiliadis. Den Revieren drohe der Verlust ihrer wirtschaftlichen Kerne mit guter Industriearbeit.

Frank Rogner

Gut 200 Betriebsräte aus der Energiewirtschaft und den energieintensiven Industrien besuchten die Konferenz in Bochum. Gut 200 Betriebsräte aus der Energiewirtschaft und den energieintensiven Industrien besuchten die Konferenz in Bochum.

Gleichzeitig warnte Vassiliadis vor den Folgen für die Arbeitsplätze in den energieintensiven Industrien - also den Kernbranchen der IG BCE. Da Deutschland bis 2022 auch aus der Kernkraft aussteigen werde und Energie aus erneuerbaren Technologien nicht konstant zur Verfügung stehen werde, müsse günstige Kohle durch teures Gas ersetzt werden. Das wiederum verteuere den Strom für die Großverbraucher in den energieintensiven Branchen. „Das Energiethema ist kein reines Kohlethema“, mahnte IG-BCE-Hauptvorstandsmitglied Frank Gottselig, selbst Betriebsrat in einem energieintensiven Papierwerk, „es geht uns alle an“.

Für Vassiliadis ist deshalb entscheidend, dass die Kommission in erster Linie belastbare und nachhaltige Zukunftskonzepte für die vom Strukturwandel betroffenen Regionen entwickle. „Die Menschen in den Revieren brauchen keinen überhasteten, unkontrollierten Ausstieg aus der Kohle“, so Vassiliadis. „Was sie brauchen, ist ein Einstieg in einen Strukturwandel, der gute Industriearbeit sichert.“

© IG BCE

Gleichzeitig könne die Last der CO2-Einsparungen nicht allein auf den Schultern der Beschäftigten in der Energiebranche abgelegt werden. „Wir werden darauf dringen, dass andere Sektoren ihre Beiträge synchron bringen“, sagte Vassiliadis. Vergleichbare Kommissionen plant die Bundesregierung für den Bau- und den Verkehrssektor. Letzterer hat seit 1990 seinen CO2-Ausstoß bislang lediglich konstant gehalten, während die Energiewirtschaft ihn seitdem bereits um 32 Prozent zurückgefahren hat.

Die IG BCE wird die Neuausrichtung der Energiepolitik mit einer Kampagne begleiten, die die Bedeutung guter Arbeit in Energiewirtschaft und Industrie für Deutschland betont. Motto: „Wir machen Deutschland gut“.

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Klimawandel?

Jens M. 07.06.2018 11:21 Uhr
Von : Thomas

"Es ist meiner Meinung nach unredlich, den Arbeiter_innen in Kohlekraftwerken im Kohleabbau zu sagen, es gebe Zeit für den Strukturwandel. Die gibt es nicht mehr. Wir reden ja schon gar nicht mehr davon, denn Klimawandel aufzuhalten, sondern ihn abzubremsen. Den Menschen in den Regionen muss endlich jemand die Wahrheit sagen und die mag vielen Weh tun: das CO2 und andere Schadstoffe aus der Kohleverstromung gefährdet unsere Lebensgrundlage. Dies gilt gleichermaßen für die Kollegen in der Automobil-, Flugzeug- und Schiffsindustrie."

Hallo Thomas, der Strukturwandel in der Lausitz ist bereits seit 25 Jahren in vollem Gange, dazu braucht es im Grunde keine Kommission (die sowieso nur Alibi für die Berliner Politik ist). Und wer Angstszenarien wie Sie heraufbeschwört und jetzt der Kohle den schwarzen Peter für den anthropogenen Klimawandel zuschiebt, ist den Grünen voll u. ganz auf den Leim gegangen. Man hat gesucht und gefunden. Und ganz ehrlich, ob DE nun die Kohlekraftwerke bis 2050 (wie mit dem EU-ETS vorgegeben) laufen lässt oder Sie morgen alle abschaltet, werden Sie klimatisch nicht merken. Interessant wird es eher, wenn sich trotz Kohleausstieg nichts ändert. Aber dafür hat man sicher bereits ein paar Ausreden parat. Den Menschen und der dt. Stromversorgung nützt das bei einem "Schnellausstieg" recht wenig. Denn was einmal weg ist, bleibt weg. Und etwas Neues schaffen, ist schwer (fragen Sie mal die Ostdeutschen). Und wer denkt, dass nach der Schließung der Kraftwerke (in der Lausitz) gleichwertiger Ersatz geschaffen wird, der irrt. Seit 25 Jahren warten die Leute darauf, ohne das etwas passiert. Warum sollte das jetzt kommen? Weil Berlin es wünscht? Von daher ist der Ansatz genau der Richtige: Zuerst die neuen Industriearbeitsplätze, dann die Abschaltung. In diesem Sinne!

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Klimawandel wird mehr kosten

Thomas 01.06.2018 10:33 Uhr

Es ist meiner Meinung nach unredlich, den Arbeiter_innen in Kohlekraftwerken im Kohleabbau zu sagen, es gebe Zeit für den Strukturwandel. Die gibt es nicht mehr. Wir reden ja schon gar nicht mehr davon, denn Klimawandel aufzuhalten, sondern ihn abzubremsen. Den Menschen in den Regionen muss endlich jemand die Wahrheit sagen und die mag vielen Weh tun: das CO2 und andere Schadstoffe aus der Kohleverstromung gefährdet unsere Lebensgrundlage. Dies gilt gleichermaßen für die Kollegen in der Automobil-, Flugzeug- und Schiffsindustrie.

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