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22.03.2012

HBS- / IG-BCE-Arbeitstagung

Politische Bildung in politischen Zeiten

Das Angebot und die Teilnahme an politischen Bildungsangeboten in Deutschland ist vielfältig. Alleine die IG BCE bietet jährlich bundesweit Veranstaltungen für mehr als 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in unterschiedlichsten Formaten an.

Foto: RapidExe / iStock.com
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Allerdings einer schwer übersichtlichen Zahl von Anbietern und Organisationen steht eine bislang nur unzureichend empirisch erforschte Gruppe von Adressaten gegenüber. Das Defizitäre der Forschungslage zur politischen Erwachsenenbildung ist gleichzeitig Ausdruck ihres Stellenwertes in der Bildung allgemein. Vorhandene Studien und Untersuchungen beschäftigen sich zu drei Vierteln mit politischer Jugendbildung, wobei die Übergänge zwischen rein politischer, beruflicher und kultureller Bildung fließend sind.

Diese Problematik aufgreifend veranstaltete die IG BCE gemeinsam mit der Hans-Böckler-Stiftung eine Arbeitstagung in Hannover zu aktuellem Stand und Zukunft der politischen Erwachsenenbildung in Deutschland. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Gewerkschaften und Bildungsträgern sehen allgemein einen möglichen Abbau der politischen Erwachsenenbildung hin zu einem immer größeren Bedarf an beruflicher Fortbildung. Darum war einer der Fragen auf der Tagung, ob nicht beides enger miteinander verzahnt werden muss.

Für Teilnehmende an Bildungsveranstaltungen, so zeigt eine Studie des Bundesausschuss Politische Bildung (bap) und des Arbeitskreises politischer Bildungsstätten (AdB), ist die Anwendung von Wissen und Fähigkeiten für den beruflichen Bereich ein entscheidendes Kriterium. Entsprechend breit gefächert ist das Angebot von Veranstaltungen, in denen sich politische und berufliche Bildung überschneiden. In einer pluralen Landschaft von Anbietern politischer Bildung ändern sich die Formate der Angebote mit den Inhalten, die Inhalte mit den Bedürfnissen der Teilnehmenden. Diese Wechselwirkungen unterliegen allerdings einer politischen Einflussnahme: Durch die Vergabe, tendenziell zurzeit die Streichung von finanziellen Mitteln für politische Bildungsmaßnahmen sowohl in Forschung als auch in Praxis, besteht die Gefahr, dass formale Vorgaben die Inhalte überlagern. Es besteht also in zweifacher Hinsicht die Tendenz und Gefahr einer Ökonomisierung politischer Bildung, was den Zusammenhang zwischen politischer und beruflicher Bildung besonders im Erwachsenenbereich verdeutlicht. Allerdings wurde dieser Zusammenhang unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmer kontrovers diskutiert. Plädoyers für eine Re-Politisierung des Begriffs der politischen Bildung wurden aus unterschiedlichsten Perspektiven gehalten.

Der Anspruch, politische Bildung unabhängig von beruflicher Bildung zu betrachten, kann nicht Ziel und Inhalt gewerkschaftlicher Bildung sein. Für die IG BCE bedeutet Bildung auch in erster Linie Zweckbildung im Sinne einer Demokratisierung der Arbeitswelt. Da die Lebenswelt von Erwachsenen zu einem erheblichen Teil von der Arbeitswelt bestimmt wird, sind berufliche Bildung und politische Bildung nicht zu trennen. Hierbei bedarf es neben den Herausforderungen an die Praxis politischer Bildung auch einer stärkeren wissenschaftlichen Begleitung. Dass hier ein großer Nachholbedarf besteht, war übereinstimmende Meinung aller Tagungsteilnehmerinnen und -Teilnehmer.

So gab die Tagung in Hannover reichlich Denkanstöße für einen notwendigen Diskurs nicht nur über die Situation der politischen Erwachsenenbildung, sondern auch über die Zukunft von Bildung in unserer Demokratie.