Chemie-Tarifdemo in Hannover

Vuvuzuelas: Unüberhörbarer Weckruf für Arbeitgeber

Dieser Weckruf vor dem Tagungshotel in Hannover war auch für die Arbeitgeber unüberhörbar: Aus bestimmt einhundert Vuvuzelas dröhnte der von der Fussball-WM bekannte ohrenbetäubende Klang – dieses Mal zur Unterstützung der Forderung nach 6 Prozent mehr Geld.

Foto: Dirk Kirchberg
Chemie-Tarifdemo Chemie-Tarifdemo vor dem Verhandlungshotel in Hannover-Langenhagen.
07.05.2012
Artikel bewerten
Danke für die Bewertung

Zwischen 800 und tausend Chemie-Beschäftigte aus ganz Norddeutschland waren als Vertreterinnen und Vertreter ihrer Belegschaften auf das Gelände am Flughafen gekommen, um Dampf abzulassen. Dampf abzulassen dafür, dass in der Chemie-Tarifrunde endlich Fortschritte erzielt werden.

Denn, so IG-BCE-Landesbezirksleiter Nord Ralf Becker, die Arbeitgeber hätten bislang immer noch kein prozentuales Angebot vorgelegt. Unter dem lautstarken Beifall der Kundgebungsteilnehmer machte er deutlich: „Wenn’s in der chemischen Industrie brummt, dann sind 6 Prozent eine faire Forderung aus den Betrieben, denn die schaffen letztendlich die Grundlage für die Gewinne“. Becker erinnerte daran, dass allein die Unternehmen im Norden in den letzten beiden Jahren ein Umsatzplus von 40 Prozent zu verzeichnen hätten: „Wer die Dividende für die Anteilseigner erhöht, sollte auch daran denken, die Dividende für die Beschäftigten zu erhöhen.“

  • Chemie-Tarifrunde 2012 - Kundgebung zur ersten Bundesverhandlung Foto: Dirk Kirchberg

    7. Mai 2012 - Hannover

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

1 /

IG-BCE-Tarifvorstand Peter Hausmann ging in seiner ungewöhnlich kämpferischen Rede neben der prozentualen Forderung auch auf die anderen Themen der diesjährigen Tarifrunde Chemie ein. Allerdings, so kritisierte er die Arbeitgeber deutlich: „Wir haben die besseren Argument, aber die Arbeitgeber haben sich auch heute nicht bewegt.“

Klare Worte auch beim Thema Arbeitszeit. Hausmann: „Mit uns ist eine Verlängerung der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit nicht zu machen. Da ist die IG BCE strikt dagegen.“ Stattdessen brauche man mehr Entlastungen für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und für Schichtarbeiter. Da könne er nicht verstehen, dass die Arbeitgeber jetzt die Altersfreizeit in Frage stellten. Sie sollten ihren Standpunkt über Bord werfen: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen gesund in den Ruhestand gehen.“

Ein weiterer dringender Appell in Richtung Unternehmen: Die chemische Industrie brauche auch in Zukunft gute Fachkräfte. Deshalb besäßen auch die Themen Ausbildung und Übernahme weiterhin eine herausragende Rolle. Befristungen böten jungen Leuten alles andere als eine sichere Perspektive: „Aber wir brauchen sichere Perspektiven für junge Menschen.“

Unterstützung bekamen die Kundgebungsteilnehmer aus dem Norden von einer Delegation aus Ludwigshafen. BASF-Vertrauensleute hatten 15.000 Unterschriften mitgebracht. „Sie bringen“, so ihr Sprecher, „zum Ausdruck, dass die BASF-Beschäftigten hinter den Forderungen der IG BCE stehen.“

Und wenn das nichts nützt, hatte Wolfgang Blossey, IG-BCE-Bezirksleiter Hannover, schon gleich zu Beginn angekündigt, „dann sind wir bereit, für unsere Forderungen wieder auf die Straße zu gehen.“

Nach oben