Papier ist Natur
Papier ist ein nachhaltiges Produkt. Es wird aus nachwachsenden Rohstoffen (Holz) und erneuerbaren Rohstoffen (Altpapier) hergestellt. Papierprodukte speichern über den Altpapierkreislauf CO2 und tragen so aktiv zum Klimaschutz bei.
Rund 70 Prozent aller Papierprodukte werden aus Altpapier hergestellt. Altpapier stellt damit den wichtigsten Rohstoff der Papierindustrie dar. In der Praxis kann eine Papierfaser ungefähr siebenmal wiederverwendet werden, bevor sie für die Papierherstellung unbrauchbar wird.
Auch beim Einsatz von Frischholz hat die Papierindustrie die Nachhaltigkeit im Blick. So wird überwiegend Holz aus zertifizierten Waldflächen verwendet. Allein in Deutschland beträgt die nachhaltig bewirtschaftete Waldfläche zirka 7,3 Millionen Hektar. Dies entspricht rund zwei Drittel des deutschen Waldes.
Stellenwert der deutschen Papierindustrie
Die deutsche Papierindustrie zählt zu den technologie- und kapitalintensiven Branchen. In den letzten Jahren wurde ein Umsatz von zirka 16 Milliarden Euro/Jahr erzielt und mehr als 23 Millionen Tonnen/Jahr hergestellt. Damit gehört die deutsche Papierindustrie neben Finnland und Schweden zu den größten Produzenten in Europa. Der Exportanteil an der gesamten Papierproduktion liegt bei rund 53 Prozent. Im weltweiten Vergleich steht die deutsche Papierindustrie hinter USA, China und Japan an vierter Stelle.
Anzahl der Betriebe und Beschäftigten
Die IG BCE betreut in der Papierindustrie über 220 Betriebe mit zirka 50.000 Beschäftigten. Dabei dominieren die mittelständischen Unternehmen mit 100 bis 500 Beschäftigten.
Aktuelle Wirtschaftssituation
Während sich die Papierindustrie in den letzten Jahren relativ stabil entwickelte, wurde sie auch von der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen. Nach dem Anspringen der Konjunktur Ende 2009 konnte sich die deutsche Papier- und Zellstoffindustrie wieder rasch erholen und das Vorkrisenniveau überwiegend wieder erreichen. Im Vergleich zu 2009 erholte sich der Umsatz in 2010 deutlich. Auf mehr als 16 Milliarden Euro steigerten die deutschen Papierunternehmen ihren Umsatz, ein Zuwachs von 17 Prozent. Damit ist das Vorkrisenniveau wieder deutlich erreicht. Überproportional wuchs dabei der Auslandsumsatz um 20 Prozent auf mehr als 8,5 Milliarden Euro an.
Auch die produzierte Menge konnte insgesamt gesteigert werden. Mit mehr als 23 Millionen Tonnen hergestelltem Papier, Karton und Pappe wurde sogar fast der Spitzenwert aus 2007 erreicht. Besonders gut entwickeln sich dabei die Verpackungs- und Hygienepapiere, die jeweils neue Rekordwerte erzielten. Der Anteil der Lohnkosten am Umsatz liegt relativ konstant bei rund 10 Prozent, während die Energiekosten etwa 15 Prozent ausmachen.
Gleichzeitig sind allerdings auch belastende Faktoren zu verzeichnen. Steigende Rohstoffpreise machen der deutschen Papierindustrie zunehmend zu schaffen. So verteuerte sich Altpapier um 20 bis 30 Prozent je nach Sorte im Verhältnis zu 2008. Preistreiber ist neben der gestiegenen Nachfrage in Europa die starke Nachfrage aus Asien. Auch die Zellstoffpreise haben im selben Zeitraum um 10 bis 15 Prozent angezogen. Die Erzeugerpreise konnten nicht im selben Tempo mithalten.
In einzelnen Segmenten der Papierindustrie bestehen Überkapazitäten im europäischen Maßstab. Dies sorgt trotz aller Bemühungen die Preise zu erhöhen immer wieder für Rückschläge. Derzeit befindet sich die Papierindustrie in einer europaweiten Restrukturierung. Während einzelne Maschinen oder ganze Standorte stillgelegt werden, gibt es gleichzeitig eine erhebliche Anzahl an Fusionen, Verkäufen und Übernahmen. Einheitliche Trends oder Unternehmensstrategien sind dabei nur schwer auszumachen. Während einerseits die Liquiditätssicherung für weitere Zukäufe oder Übernahme zu beobachten ist, steht bei anderen Unternehmen die Restrukturierung des Produktportfolios und die Neuausrichtung auf Wachstumssegmente auf der Tagesordnung.