Nach Ansicht von Hubertus Schmoldt gibt es für die am Mittwoch bekannt gewordene Vorstandsentscheidung „keine tragfähige Grundlage". Erforderlich seien vielmehr ein Gesamtkonzept für die Unternehmensgruppe und die Entwicklung von Perspektiven für die einzelnen Unternehmensbereiche. „Ehe der Vorstand diese konzeptionellen Voraussetzungen und damit eine zukunftsträchtige Unternehmensstrategie nicht geschaffen hat, sind Entscheidungen wie die Aufgabe von Stöcken als Standort der LKW-Reifen-Herstellung weder sinnvoll noch verantwortbar", erklärt der IG-BCE-Vorsitzende. Deshalb müsse sich der Aufsichtsrat mit dem Vorgehen des Vorstandes befassen und eine Erklärung einfordern, so Schmoldt, „warum der Vorstand meint, jetzt und sofort eine Stilllegung beschließen zu müssen".
Zugleich fordert Schmoldt die Banken auf, „endlich ihrer Verantwortung für die Unternehmensgruppe gerecht zu werden". Es sei „überfällig", dass die Finanzinstitute ihre konzeptionellen Vorstellungen zur Zukunft von Continental und Schaeffler offenlegen. „Wir werden nicht hinnehmen, dass die im Kern gesunde und wettbewerbsfähige Unternehmensgruppe in Gefahr gerät, weil in den Vorstandsetagen der Banken auf Zeit gespielt wird", so der Gewerkschaftsvorsitzende.
Ungeachtet dessen verlangt die IG BCE auch die Einberufung des Wirtschaftsausschusses bei der Continental. „Dort hat der Vorstand zu erklären, wieso er für das Werk Stöcken keine langfristige Lösung entwickelt, sondern auf kurzfristige Schließung setzt", fordert Schmoldt. Für die LKW-Reifen-Produktion gelte wie für alle Produktionszweige und Unternehmen: „Konjunkturelle Krisen sind mit den vorhandenen und hochwirksamen tarifpolitischen und arbeitsmarktpolitischen Instrumenten zu bewältigen." Dass der Vorstand sich weigere, einen dazu bereits verhandelten Interessenausgleich mit entsprechender Betriebsvereinbarung zu unterschreiben, sei „ein Skandal". „Das", so Schmoldt, „ist unvereinbar mit Kultur und Geist der Sozialpartnerschaft" und werde das Klima im Unternehmen „auf das Äußerste belasten".
„Betriebsrat, Belegschaft und IG BCE werden gemeinsam alles tun, was ihnen möglich ist, um Entlassungen zu vermeiden und die Produktion in Stöcken zu halten", kündigte Schmoldt an. „Der Vorstand wäre sicher gut beraten, mit uns nach vernünftigen Alternativen zu suchen, statt auf Konfrontationskurs zu gehen. Conti braucht Gemeinsamkeit statt Gegeneinander, gerade in der jetzigen schwierigen Situation des Unternehmens."