WESENTLICHE HANDLUNGSFELDER: Der sozialen Ungleichheit entgegenwirken
Nach der aktuellen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks schaffen vier von fünf Kindern aus einkommensstarken Haushalten den Sprung an die Hochschule, aber nur ein Zehntel der Kinder aus einkommensschwächeren Familien.
Dieser sozialen Ungleichheit ist entgegenzuwirken durch die Verbesserung des Zugangs zu Hochschulen:
EMPFEHLUNGEN AN DIE POLITIK: Zugang erleichtern
Ein wichtiger Beitrag sind Kurse zum nachträglichen Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung im zweiten Bildungsweg gemeinsam mit den anerkannten Erwachsenen- und Weiterbildungseinrichtungen. Für die Zulassung zu einem Studiengang hat nicht mehr nur der Schulabschluss allein zu entscheiden, sondern fachspezifische Auswahl- und Eignungsfeststellungsverfahren. Hochschule als Institution selbst muss sich ihrer unbeabsichtigten und "heimlichen" Auswahlkriterien selbstkritisch bewusst werden und sie öffentlich erkennbar und beispielgebend abbauen. Mit der zunehmend erweiterten Möglichkeit von Hochschulen, sich selbst die Studierenden auswählen zu können, haben sie zugleich die Chance, sich ein eigenes öffentliches Profil zu geben.
Die Finanzierung des Studiums gewährleisten
Wichtig ist eine von den Eltern unabhängige staatliche Unterstützung für den Lebensunterhalt der Studierenden, in der Transferleistungen wie Kindergeld und BAföG zusammengefasst werden. Darüber hinaus ist ein kreditbasiertes Teilfinanzierungsangebot denkbar. Das Erststudium bis zum Master-Abschluss muss gebührenfrei bleiben. Die Einführung von Studiengebühren innerhalb der deutschen Hochschulen verschärft die Chancenungleichheit. Sie ist aus gesellschafts-, sozial- und bildungspolitischen Gründen abzulehnen. Der Zugang zum Studium und die Aktivierung von Begabungsreserven ist durch ein Stipendienwesen von Bund, Land, Universitäten, Wirtschaft und privaten Stiftungen auszubauen, um Studienwillige insbesondere aus finanzschwachen Familien die Entscheidung für ein Hochschulstudium zu erleichtern.
In Lehre und Forschung Chancengleichheit fördern
Hochschule hat das Thema Chancengleichheit selbst als Inhalt von Forschung und Lehre zu betrachten. Dafür sind auch die im Lernprozess von Studierenden auftretenden Schwellen auszugleichen und in die Bewertungspraxis studentischer Leistungen einzubeziehen. Hochschulen haben ihre Analyse- und Beratungsfunktion gegenüber anderen bildenden Institutionen zur Aufdeckung, Minderung und Beseitigung von Benachteiligungen, nachzukommen. Dafür sind übergreifende Konzepte mit den relevanten gesellschaftlichen Kräften zu entwickeln, um hier die langfristig eingeforderten Veränderungen in Strukturen umzusetzen.
Projekte vernetzen
Erforderlich sind vernetzte Projekte, die Wissenschaft und Arbeitswelt regional und projektbezogen zusammenführen sowie allen Interessierten den Zugang zu Wissenschaft und Forschung auch ohne Hochschulzugangsberechtigung ermöglichen. Gleichzeitig gilt es, niedrigschwellige Lernangebote für bildungsferne und lernungewohnte Zielgruppen zu entwickeln und umzusetzen.
HANDLUNGSEBENE DER IG BCE:
Einsatz für Stipendien zur gezielten Unterstützung sozial- und gesellschaftspolitisch engagierter junger Menschen bei der Aufnahme eines Studiums, zum Beispiel Stipendien der Hans-Böckler-Stiftung.
Sozialpartnerschaftliche Regelungen schaffen zur Unterstützung und Finanzierung des Studiums an Berufsakademien (zur möglichen Aufnahme eines Masterstudiums) als Beitrag für mehr Durchlässigkeit im Hochschulsystem.
Verstärktes Engagement der IG BCE in der bildungspolitischen Debatte zum Thema "Studiengebühren".
Anregen eines berufsbegleitenden Mentorinnen- und Mentorprogrammes für Studierende, zum Beispiel aus der Berufswelt.