WESENTLICHE HANDLUNGSFELDER: Kriterien der Vergleichbarkeit entwickeln
Auf dem Weg zur Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung sind Kriterien der Vergleichbarkeit zu entwickeln. Diese Kriterien erleichtern Zugänge und Übergänge in den einzelnen Bildungsbereichen des Bildungssystems. Die Kriterien der Vergleichbarkeit schließen den Zugang zur Lebenswelt (unter anderem informelles Lernen) ein.
Erworbene Kompetenzen bei der Zulassung anerkennen
Hochschulen sollen die außeruniversitär erworbenen fachlichen Kompetenzen bei der Zulassung zum Studium berücksichtigen und diese als schon erbrachte Studienleistungen anerkennen. Gleichzeitig sind berufliche und vergleichbare studienrelevante Praktika in die Studiengänge einzubeziehen und als Teil der Studienleistung zu werten.
Studienabbrüche vermeiden
Wenn heute jede/r vierte Studierende eine Hochschule ohne einen Abschluss verlässt, werden damit Misserfolgserlebnisse produziert sowie individuelle und volkswirtschaftliche Ressourcen verschwendet. Hochschulen haben die Aufgabe, sich verstärkt mit der abgebenden Bildungsinstitution abzustimmen, die potenziellen Studienanfängerinnen und Studienanfänger besser zu informieren und im Laufe des Studiums besser zu beraten und zu betreuen. Hierdurch kann ein erheblicher Beitrag zu der notwendigen Erhöhung der Quote der Hochschulabsolventen geleistet werden.
EMPFEHLUNGEN AN POLITIK UND HOCHSCHULEN: Zugangsvoraussetzungen optimieren
Für viele Studiengänge kann eine erfolgreiche vorhergehende Ausbildung und Berufstätigkeit als Zugangsvoraussetzung das Abitur ersetzen. Dies beinhaltet auch, dass Bachelor- und Masterstudiengänge allen Absolventinnen und Absolventen der dualen Ausbildung offenstehen. Gleichzeitig muss sich Hochschule intensiver um die Studierenden kümmern und gerade zu Beginn des Studiums stärker beraten und unterstützen.
Studierfähigkeit kooperativ verbessern
Zur Verbesserung der Studierfähigkeit sind gemeinsam mit Schulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung Vorbereitungskurse für die Aufnahme eines Studiums zu entwickeln und umzusetzen. Für die Anerkennung von Studienleistungen außerhalb von Hochschulen sind Einrichtungen der Erwachsenenbildung einzubeziehen, die die Lehrleistung der Hochschulen ergänzen.
Neuausrichtung der Hochschullandschaft
Die Hochschullandschaft ist so auszurichten, dass sie sowohl auf eine wissenschaftliche Laufbahn vorbereitet und damit mehr wissenschaftlichen Nachwuchs generiert, als auch Studierende verstärkt auf den (außerwissenschaftlichen) Arbeitsmarkt vorbereitet. Auch in dieser Hinsicht sind die in der Biografie einer Person angeeigneten Kompetenzen von Bedeutung. Sie können über Kompetenzbilanzen - in einem sogenannten Portfolio - erfasst und dargestellt werden, die sowohl die Ergebnisse formaler Bildung als auch die der informellen Bildung umfassen.
Beitrag zur Entwicklung des gesamten Bildungssystems intensivieren
Die Hochschule hat einen stärkeren Beitrag zur Entwicklung des gesamten Bildungssystems zu leisten. Für diese Aufgaben hat sie besonders die Lehrerinnen- und Lehrerausbildung zu verbessern und ein breites Programm der Weiterbildung zu unterbreiten.
Weiterbildungsberatung stärken
Hochschulen sollten ihre Aufgabe der Weiterbildungsberatung durch die Einrichtung und Unterstützung von Schülerbüros für den Übergang von der Schule zum Studium verstärken. Durch "Career Service Beratung" können Übergange vom Studium zum Beruf erleichtert werden. Dabei sollte die Einbeziehung von ehemaligen Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit ihren Berufserfahrungen ausgebaut werden. Zur Stärkung der "Kundenorientierung" sind integrierte Service-Center (vergleichbar mit Bürgerbüros der Verwaltungen) einzurichten. Im Rahmen des Qualitätsmanagements ist Begleitforschung erforderlich.
HANDLUNGSEBENE DER IG BCE: Bei der Umsetzung der oben genannten Empfehlungen ist eine bundeseinheitliche Rahmenregelung unabdingbar. Dieses Rahmengesetz ließe eine Vereinheitlichung auf Länder- und Bundesebene zu. Die IG BCE wird sich hierfür einsetzen und dafür werben.
Die IG BCE setzt sich dafür ein, dass die im dualen System erworbenen Leistungen anerkannt und Zugänge zu den Bachelor- und Masterstudiengängen erleichtert werden. Wir regen ein Forschungsprojekt an, welches die "arbeitnehmerfreundlichste Hochschule" ermitteln soll.