„Die politische Bildung besitzt in der IG BCE einen hohen Stellenwert." Leider sei dies in Deutschland nicht überall so. IG-BCE-Vorstandsmitglied Edeltraud Glänzer eröffnete die Tagung mit dem Hinweis, dass in der Gesellschaft Gelder und Engagement zur politischen Bildung verstärkt fehlten. „Wenn keine Diskursräume zur Gestaltung von Politik geboten werden, dann muss sich die Gesellschaft über hohe Zustimmung zu falscher Politik à la Westerwelle und Rechtsradikalismus nicht wundern."
Es braucht in der IG BCE aktive und kompetente Referenteninnen und Referenten, die als „Bildungsträger" über geeignete Ansprache- und Lernformen verfügen. Ziel sei die Schaffung einer betriebsnahen Bildungsarbeit, "die attraktiv ist und direkt vor Ort ihre Anwendung findet". Dazu gehöre es, politische Kompetenz zu vermitteln und Mut zur Beteiligung an Mitbestimmung in den Unternehmen zu entwickeln.
Die Denkschablone nach der der Mensch angeblich vollständig zweckrational seinen Interessen auch auf Kosten anderer nachgehe, habe sich tief in die Köpfe der Menschen gepflanzt. Egoismus gehe vor Verantwortung, Durchsetzung eigener Interesse vor Rücksichtnahme. Die gewerkschaftliche Bildungsarbeit müsse hier gegensteuern und die langfristigen Werte einer Zukunftsgewerkschaft vermitteln helfen. Gewerkschaften müssten nicht nur als „Sozialschützer", sondern vielmehr als „Sozialgestalter" wahrgenommen werden.
In den Betrieben würden über die wesentlichen Arbeitsbedingungen entschieden, ob durch Betriebsvereinbarungen oder durch die konkrete Unternehmenskultur. Die Beschäftigten entschieden hier darüber, wie sie Mitbestimmung wahrnehmen. Die IG BCE will den unterschiedlichen Unternehmensstrategien, gewerkschaftliche Begleitung und Antworten entgegen setzen und mit eigenen Themen die Entwicklungen in der Arbeitswelt beeinflussen. „Auf die Unternehmensstrategien brauchen wir langfristige betriebspolitische Ansätze", so das Credo von Stefan Soltmann, Abteilungsleiter Betriebspolitik der IG BCE.
Die Weiterentwicklung des Erfolgsmodells „Flächentarifvertrag" erläuterte IG-BCE-Tarif-Abteilungsleiter Christian Jungvogel. Der Tarifvertrag Demografie habe erste wichtige Impulse zur Zukunftsgestaltung von Beschäftigungsbedingungen in den Betrieben der chemischen Industrie geliefert. Hier an zu knüpfen sei Aufgabe und Verpflichtung. „Gute Arbeit" müsse tarifpolitisch untermauert werden.
Mit der Tagung wird ein Startschuss für eine Weiterentwicklung der politischen Bildung der IG BCE gegeben. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden dazu auch Blicke über den gewerkschaftlichen Tellerrand gewährt und Perspektiven für eine effektive Bildungsarbeit in der IG BCE zur Unterstützung ihrer Ziele in den Betrieben aufzeigt.