Gedenken an gewerkschaftliche Widerstandskämpfer
„Gewerkschaften brauchen Erinnerungen, sonst fehlt die Identität zum Überleben“, sagte der Historiker Professor Günter Morsch auf der Veranstaltung „Seid wachsam, dass über Deutschland nie wieder die Nacht einbricht“. Damit gedachte die IG BCE am Montag (16.07.) Gewerkschaftern, die ihren Widerstand gegen das Nazi-Regime mit Aufenthalt und Folter in Konzentrationslagern bezahlen mussten.
Um die Erinnerungen an die Gewerkschafter wach zu halten, läuft noch bis zum 13. August 2012 im Foyer der IG-BCE-Hauptverwaltung die Ausstellung „Seid wachsam, dass über Deutschland nie wieder die Nacht einbricht“.Morsch betonte dabei, wie wichtig diese Erinnerung sei: „Bis auf zehn Prozent sind fast alle der Widerstandskämpfer von damals heute vergessen.“ Anstatt Kinofilme über sie zu drehen oder sie zu Protagonisten von Büchern werden zu lassen, wird vielen der Gewerkschafter höchstens mit der Benennung einer Straße in ihrem Heimatort gedacht, machte der Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen deutlich.
Edeltraud Glänzer, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE, bezeichnete Folter und Leiden in den Konzentrationslagern als unvergesslich und unfassbar. Und mit Blick auf heute gerichtet, mahnte sie: „Wir alle tragen die Verantwortung dafür, dass wir uns gemeinsam für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben in Deutschland und der ganzen Welt engagieren.“
Vor den 250 Teilnehmern machte auch Wolfgang Jäger, Mitglied der Geschäftsführung der Hans-Böckler-Stiftung, klar, wie wichtig es sei, sich mit Geschichte und Biografien zu befassen: „Die Erinnerung an das, was damals war, zeigt, wie schnell es gehen kann, dass das Undenkbare Realität wird und alles Demokratische infrage gestellt wird.“ Noch immer gebe es in Deutschland auch starke rechtsradikale Tendenzen. Jäger zeigte anhand dreier Einzelschicksale auf, wie mutig Gewerkschafter während des Nazi-Regimes Widerstand organisiert haben. Diese Vorbilder gelte es noch mehr publik zu machen, damit ein Bewusstsein entstünde, das rechte Tendenzen im Keim ersticken kann. Egbert Biermann vom geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE mahnte deshalb auch: „Seid wachsam und gebt dem Rechtsextremismus keine Chance.“
(v.l.) Professor Günter Morsch (Historiker), Edeltraud Glänzer (Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE), Wolfgang Jäger (Mitglied der Geschäftsführung der Hans-Böckler-Stiftung) und Egbert Biermann (Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE)Um die Erinnerungen an die Gewerkschafter wach zu halten, läuft noch bis zum 13. August in den Räumen der IG-BCE-Hauptverwaltung die Ausstellung „Seid wachsam, dass über Deutschland nie wieder die Nacht einbricht“. Vom 15. August bis zum 15. September ist sie im IG-BCE-Bildungszentrum Bad Münder zu sehen. Begleitend zur Ausstellung sind ein Buch und diverse Hörbücher erschienen.
Öffnungszeiten / Begleitprogramm
Die Ausstellung im Foyer der IG-BCE-Hauptverwaltung Hannover ist Montag bis Freitag von 9 - 20 Uhr und Samstag von 10 - 14 Uhr für Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei. Führungen von Gruppen und Schulklassen können unter 0511/7631-142 (Petra Adams) angemeldet werden. Offene Führungen für alle Interessierten sind außerdem an den Samstagen 23. Juni, 7. + 21. Juli und 4. August 2012 um jeweils 14 Uhr.
Dokumentation:
Informationen zur Ausstellung
- Ausstellung und Begleitveranstaltung: Seid wachsam, dass über Deutschland nie wieder die Nacht hereinbricht
- Prof. Dr. Günter Morsch: Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in Konzentrationslagern - eine vergessene Opfergruppe?
- Dr. Wolfgang Jäger: Ausgewählte Biographien verfolgter Gewerkschafter von 1933-45




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